Alexander Lebenstein
Geboren am 3. November 1927

Meine Familie

Alex ist Sohn eines Schlachtermeisters und ist geboren in Recken Westfalen. Er hat eine Schwester die 1939 nach Florida emigrierte und heute noch lebt. Sie ist heute 81 Jahre alt. Seine 2. Schwester emigrierte auch 1939 nach Richmond, verstarb aber vor 11 Jahren. Seine 3. Schwester starb 1932 aus natuerlichen Gruenden und ist in Haltern, Deutschlang begraben.

Sein Vater hatte eine groessere Schlachterei. Mitdabei war auch ein Laden indem seine
Mutter das Fleisch und die Wurst an die Dorfbevoelkerung verkaufte. Sie hatten einige
Lehrlinge und Gesellen. Alex's Vater war es erlaubt 2 Tage die Woche koscher zu schlachten.

Ich wollte Doktor werden!

Aufgrund der Arbeit seines Vater hatte Alex viel mit Knochen und Fleisch zu tun. Das hat ihn fasziniert dass er mit jungen Jahren Doktor werden wollte.

Es geschah in der Strasse!

Seine ersten Erfahrungen mit dem Antisemitismus hatte er beim Spielen mit anderen Kindern im Jahre 1936. Er war gerade mal 9 Jahe alt. Die Kinder haben ihn wegen seinem Nachnamen verachtet. Es kam auch zu kleineren Kaempfen mit den anderen Kindern. Es gab aber einen Junge der immer zu ihm Stand. Seine Name ist Walter Droste und lebt heute noch in Haltern.

Der SS Soldat spukte auf die Medaillien meines Vaters!

Kristallnacht hatte er und seine Familie die ersten schlimmen Erfahrungen am eigenen
Leib. Sein Vater hatte ein paar Medaillien aus dem 1. Weltkried und er hatte sie auf
Seinem Hemd. Als die deutschen kamen sagte, er es ist euch nicht erlaubt mein Geschaeft zu zerstoeren. Seht ich bin ein Deutscher. Der SS Soldat hat ihm die Medaillien runter gerissen und drauf gespuckt. Kurze Zeit spaeter sind sie in ein Judenhaus in Haltern gebracht worden. Dort waren sie bis zum Jaenner 1942. Alex glaubt, dass das auch mit dem Einfluss seines Vaters zur Stadt zu tun gehabt hat. Es wurde Ihnen immer gesagt: Ihr werdet bald deportiert! Aber es vergingen Wochen, Monate, sogar Jahre bis sie deportiert wurden.

Eine lange und harte Reise begann!

1942 wurden sie nach Gelsenkirchen ins Versammlungslager gebracht. Von dort aus wurden sie nach Riga Lettland deportiert. Sein Vater musste in der Schlachterei arbeiten. Seine Aufgabe war das Kuh Fell mit Salz zu stampfen. Dieser Prozess muss gemacht werden um das Fell zu Leder weiterverarbeiten koennen. Es war der schlechteste Job den man haben konnte in einer Schlachterei. Nach einer Weile bekamm er lauter Schnitte zwischen seinen Fingern und es entwickelte sich eine Zellgewebs-Infektion daraus. Er konnte mit der Zeit kaum noch sprechen und atmen. Alex erinnert sich,dass er auf dem Stuhl sass, mit dem Stuhlruecken voran und seine Zaehne auf der Lehne gehabt hat um
etwas leichter atmen zu koennen. Eines Tages kamen SS Soldaten und haben seinen Vater mitgenommen. Er ging zum Fenster und schaute auf die Strasse runter und sah einen Koerper in einer Decke eingewickelt. Er ist ueberzeigt, dass die SS Soldaten ihn getoetet haben. Er ist auf dem Friedhof im Riga Ghetto begraben worden.
Alex's Aufgabe im Ghetto war es Materila wie zB Ziegel, oae. von zerstoerten Haeusern zu saeubern um sie wiederverwenden zu koennen. Es war ein Trupp aus 21 Leuten. 3 Gruppen a 7 Leute. 2 Gruppen waren Maenner aus Westfalen und die 3. Gruppe waren Maenner aus Wien die nach Riga deportiert wurden. Die Maenner trieben etwas Handel mit den Einwohner um etwas Geld zu bekommen und Nahrung zu kaufen. Eines Nachts als sie zurueck kamen wurden sie ins Gefaengnis gebracht. Die Deutschen hatten mitbekommen was sie taten. Normalerweise wuerden alle getoetet werden, doch da ein Mangel an Arbeitern vorlag entschieden die Deutschen nur die 3 juengsten und die 3 aeltesten zu toeten. Alex war der juengste von einer Gruppe. Als sie im Gefaengis waren lernte Alex ein Maedchen kennen. Sie war sehr attraktiv. Die Zelle hatte ein Fenster und
Sie redeten und kuessten sich sogar. Sie hat ihm gesagt, du musst keine Angst haben, du wirst nicht getoetet. Irgendwie hat sie es geschafft die Deutschen zu ueberreden und es wurden nur die 3 aeltesten getoetet.

Als Strafe wurde er im Fruehjahr 1942 mit dem Alter von 14 ½ Jahren von seiner Mutter getrennt und nach Litauen in eine Ortschaft namens Hasenpott gebracht um Torf zu stechen.

Im Herbst 1942 kam er ins Ghetto nach Riga zurueck. Seine Mutter war nicht mehr dort. Man hat ihm gesagt sie wurde zu einem anderen Lager deportiert. Diese Aussage hielt ihm am leben. Die Hoffnung sie wieder zu sehen gab ihm die Kraft zu leben. Nach dem Krieg fand er heraus, dass sie in einem Wald vor Riga erschossen und begraben wurde. Danach wurde Alex in mehrere Lager transportiert. Es waren alles kleinere Arbeitslage in dem er aufraeumarbeiten oder aehnliches durchzufuehren hatte.

Eines Tages wurde sie auf ein Schiff gebracht. Sie dachten die Deutschen wuerden Sie auf der See ins Wasser werfen. Am nexten Morgen wurden sie dann auf ein Faehrschiff verladen und nach Danzig, Stutthof gebracht. Dort gab es mehre strenge Selektionen. Alex musste schlussendlich in der Danziger Werft in Burggraben arbeiten. Seine Aufgabe ware es die U-Boote innen grau zu streichen. Als er im U-Boot arbeitete bekam er Thyphus. Aufgrund der Farbe verbreitete sich Dampf der nicht entweichen konnte und die Arbeiter inhalierten ihn. Es ging ihm ziemlich schlecht.

1945 wurde er von den Russen befreit. Die Russen hatten viel Ahnung im Kampf gegen die Laeuse und andere Krankheiten. Sie sendeten Alex nach Danzig zurueck, wo die Russen aus der Schule ein Krankenhaus gemacht haben. Ihre Kleider wurden verbrannt, sie wurden rasiert und gewaschen um die Laeuse zu entfernen. Nach einer Woche fuehlte sich Alex schon etwas besser. Er arbeitete nachts in der Kueche und kochte Wasser um das Operationsbesteck zu kochen und zu sterilisieren. Auch kochte er Wasser um Tee zu machen fuer die Russen. Alex erledigte diese Aufgabe mit noch 2 anderen.

Schon wieder auf der Flucht!

Eines Tages riefen die Russen alle 3 in Ihr Buero und fragten ob sie in die russische Armee eintreten wollen. Einer der 3 konnten sher gut russisch sprechen und uebersetzte. Sie baten um etwas Bedenkzeit. Nach einer Weile mussten sie wieder zu den Russen und man fragte sie, ob sie sich entschieden haben. Sie baten nochmals um etwas Bedenkzeit. Einer der drei sagte, wenn wir eintreten wuerden wir irgendwo an die Front transportiert werden wo wir mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit sterben wuerden. Sie beschlossen zu fliehen. Sie kamen nach Frankfurt an der Oder. Dort waren alle Bruecken gesprengt bis auf eine auf der der Zug schon wieder fahren konnte. Sie folgten einem Zug und gelangen nach Berlin. Sie waren aber dort nicht gerade willkommen bei den Amerikaner, weil die Russen schon nach Ihnen suchten.

Keiner wollte mich!

Alex kehrte zureuck zu seinem Geburtsort um nach seiner Mutter zu schauen. Doch in Haltern waren nach wie vor ziemlich viele Nazis. Das Haus seiner Eltern hatten die Deutschen schon weiterverkauft. Man hat ihm nahe gelegt die Stadt zu verlassen. Alex verwehrte die Deutsche Staatsbuergerschaft und kam nach Degendorf (Bayern) in ein DP Camp. Er arbeitete in der Funkkasernen Kueche. Die Leute dort wollten alle nach Israel. Doch Alex's Schwester fand ihn und riet ihm in die USA zu kommen. Im Jaenner 1947 kam er nach Richmond / Virginia. Doch die Leute in Richmond wollte nicht zu viel mit ihm zu tun haben. Sie sagten ein Junge der mehrer Konzentrationslager ueberlebt hat. Das gibt es nicht! Er sieldete dann nach New York um, wo er ein Supermarkt eroeffnete. Er heiratete in 1948 und hat 2 Soehne.

Die Stadt Haltern lud ihn erstmals 1989 ein nach Deutschland zu kommen um mit ihm das 700 Jahr Jubilaeum zu feiern. Er ist der einzige noch lebende Holocaust Ueberlebende aus der Stadt. Er solle mit dem Buergermeister dieses Jubilaeum feiern. Doch Alex hat nicht den geringsten Wunsch zurueck zu gehen. Er fragte den Buergermeister, er solle in die Stadt zurueck die ihm nahe gelegt hat zu verschwinden?

2 Maedchen brachten mich nach Halten zureuck!

1994 war bisher das 1. Mal, dass er nach Deutschland flog. Aufgrund 2 Schuelerinnen. Sie schrieben ihm einen Brief und sagten, dass sie gerade etwas ueber den Holocaust lernen. Aus diesem Grund ging er zurueck.
Die Maedchen erzaehlten ihm, dass sie ihre Eltern gefragt haben, wo sie waren zu dieser Zeit - Keine Antwort!

Sie fragten ihre Grosseltern - Was sie in dieser Zeit gemacht haben - Keine Antwort.
Dieser Schmerz bzw. Die Verzweiflung was die 2 Maedchen hatten bewegten ihn dann in den USA ueber sein Leben zu sprechen. Davor wollte er nichts mit Deutschland bzw. Deutsch zu tun haben. Er begann ueber sein Leben zu sprechen an Schulen und vieles mehr.

Mein Rat an die Jugend

Ihr solltet nicht nur lernen tolerant zu sein, sondern auch anderen die es nicht sind Toleranz lehren. Egal welche Hautfarbe, Religion, ... ein Mensch hat oder welche Herkunft er hat. Er hat die selben Rechte wie jeder andere lebende Mensch. Du solltest immer ein guter Buerger sein und die Rechte und Pflichten einhalten.

Beenden moechte ich mein Interview mit den Worten der Burriesci Bruedern die Alex folgende Zeilen gewidmet haben.

A Time to Remeber

The Holocaust is one awful memory, but this can happen to all of us you see ...
Childhood memories are brought to light's, Nighmares linger in my mind day and night.
From 1938 to 1942 ... I was hiding in a loft because i was a Jew.
I can not answer why I did not die; I speak the truth I shall not lie.
Homeless and stateless feeling rejection ... makes you search for your soul
And seek a connection.
Children look for truth with their innocent Smile,
Adults say it did not happen and they stay in denial.
The sole survivor of Haltern this my friend is me ...
I will continue to speak with others about this painful tragedy.
I must continue this mission and refuse to go down defeated and proclaim throughout
The world that the holocaust might one day be repeated.
In 1945 it was a time of my Liberation ...
And Thanks to the Allied Forces we had cause for celebration !
What we teach our children today will be done to us tomorrow ...
So let them live with joy I say than live with the pain of sorrow.
The Holocaust stole the joys of life - many became bitter and mean ...
But, the letters and joy I get from the children make me a happy

Alex Lebenstein

This is a testimonial to our Friend Alexander Lebenstein in Honor of
His Faith, Fortitude and Courage
Respectfully from the
Burriesci Brothers May 1997



Interview mit Alexander Lebenstein

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