Bericht(e) von David Wiesmann
Februar 2002 - September 2002

Februar 2002 - Mai 2002|Juni 2002 - September 2002

Fondation pour la Mémoire de la Déportation:

Zeitliche Auslastung:
40 Stunden.

Februar 2002 - Mai 2002

Tätigkeiten:

In den ersten Monaten meines Gedenkdienstes hatte ich die Möglichkeit alle Arbeitsbereiche der Fondation pour la Mémoire de la Déportation kennenzulernen. Die Anwesenheit meiner beiden Kollegen, Adrian Rossmann und Paul Schieder, in den Monaten Februar und März erleichterte mir ihre Tätigkeiten sukzessive zu übernehmen.
Neben der Ausführung täglicher Arbeiten, zählten vor allem die Kontaktaufnahme mit ausländischen Partnerorganisationen und die Reorganisation des "Centre de Documentation" (Dokumentationszentrum), eine der Fondation angeschlossene Spezialbibliothek, zu meinen Hauptaufgaben.

Tägliche Arbeiten:

Neben der Übersetzung eingehender deutschsprachiger Post ins Französische, gehörte es zu meinem Aufgabenbereich diverse Dokumente oder Teile aus Büchern, die ausschließlich in deutscher Sprache existieren, zu übersetzen, um somit den französischen Kollegen die Arbeit zu erleichtern, und dazu beizutragen neue Informationen zu finden.

Bei den eingehenden Briefen handelte es sich meist um den regelmäßig stattfindenden Schriftenverkehr mit deutschen Gedenkstätten. Antworten verfasste ich größtenteils selbst oder in Absprache mit meinen Kollegen.

Oft bekommen wir auch Anfragen zum Thema "Zwangsarbeit". Da die FMD in diesem Zusammenhang leider mit keinen Informationen dienen kann, leite ich die Briefe an entsprechende Organisationen weiter.

Überdies übernahm ich die von meinem Kollegen Adrian Rossmann ausgeführte Tätigkeit, die der Fondation zugänglichen Tageszeitungen zu lesen, und Artikel betreffend diverser Themen wie Deportation, Rechtsextremismus, Antisemitismus, oder Menschenrechte zu archivieren.

Kontaktaufnahme mit ausländischen Partnerorganisation:
Um dem Kollegen, der sich mit der Internierung in Frankreich beschäftigt, bei seinen Recherchen bezüglich der drei französischen Departements, Moselle, Haut-Rhin und Bas-Rhin, die an das deutsche Reich annektiert wurden, zu unterstützen, verfaßte ich gemeinsam mit meinem Kollegen Paul Schieder eine Anfrage, die wir an 20 deutsche Organisationen richteten. Im genauen fragten wir nach rechtlichen Grundlagen ("Gesetzestexte", zivile oder militärische Verwaltungsverordnungen), die die Inhaftierung aufgrund politischer Repression ermöglichte, sowie nach den Verwaltungskriterien diverser Internierungsstätten.
Im Zuge der folgenden Wochen erhielten wir von fast allen angeschriebenen Organisationen eine Rückmeldung, und ich konnte die zugesandten Informationen (Literaturhinweise, Archivnachweise,…) sammeln, um sie später an meinen französischen Kollegen zu übergeben.
Auf diesem Wege konnten wir die internationalen Beziehungen der FMD erweitern und verschiedenste Organisationen von unseren Tätigkeiten in Kenntnis setzen.

Reorganisation des "Centre de Documentation":
In den Monaten April und Mai arbeitete ich hauptsächlich in dem der FMD angeschlossenem "Centre de Documentation" (Dokumentationszentrum). Aufgrund des Umzuges der Fondation pour la Mémoire de la Déportation im Jänner dieses Jahres war es nötig eine neue Ordnung in der Bibliothek zu erstellen. Ich führte somit ein Inventar aller vorhandener Bücher und Videokassetten durch und begann zuletzt damit ein System der Klassifikation auszuarbeiten, um die vorhandenen Dokumente verschiedenen Kategorien zuzuordnen.

Mitarbeit am Projekt "Valise Expo":
Die von meinen beiden Kollegen Adrian Rossmann und Paul Schieder angefangene Mitarbeit am Projekt der Erstellung einer "Valise Expo" wird nun von mir fortgeführt. Dabei handelt es sich um die Zusammenstellung einer Sammlung von Fotografien, die für Austellungen zum Thema Deportation oder Holocaust in Schulen gedacht ist, und durch diesen leicht zu transportierenden "Ausstellungskoffer" zur Verfügung gestellt wird.
Ich unterstützte meinen französischen Kollegen bei der Zuordnung der bereits ausgewählten Fotos zu den verschiedenen Quellen ihrer Herkunft (Yad Vashem, United States Holocaust Memorial Museum, Centre de Documentation Juive Contemporaine,…) und den Recherchen bezüglich der Rechte denen sie unterliegen, um sie zu erlangen.

Teilnahme an der Gedenk- und Befreiungsfeier des Lagers Mauthausen, 5. Mai 2002:
Mir wurde die Möglichkeit eingeräumt am 5. Mai 2002 an der alljährlich stattfindenden Gedenk- und Befreiungsfeier des Lagers Mauthausen teilzunehmen. Der bestehende Kontakt der Fondation pour la Mémoire de la Déportation zur Amicale de Mauthausen ermöglichte mir ein Aufeinandertreffen zukünftiger Gedenkdiener mit den an der Feier teilnehmenden Mitgliedern der Amicale zu organisieren, welche sich über das Interesse und Engagement junger Österreicher sehr erfreut zeigten. Nach den Zeremonien hatten wir die einzigartige Möglichkeit die ehemaligen französischen KZ-Häftlinge durch das Lager zu begleiten, wobei sie über ihre schrecklichen Erfahrungen Zeugnis ablegten.

 

 

Fondation pour la Mémoire de la Déportation:

Zeitliche Auslastung:
40 Stunden.

Juni 2002 - September 2002

Tätigkeiten:

In den vergangenen vier Monaten meines Gedenkdienstes an der Fondation pour la Mémoire de la Déportation kam eine gewisse Routine in meine Tätigkeiten.
Neben täglichen Arbeiten wie diverse Übersetzungen oder die Archivierung von Zeitungsartiklen nach Themen wie Rechtsextremismus, Antisemitismus, oder Menschenrechte verlagerte sich das Hauptaugenmerk meiner Arbeit auf folgende Bereiche der Fondation:

Centre de documentation (Dokumentationszentrum):
In den Monaten Juni und Juli arbeitete ich vorrangig im Centre de documentation (Dokumentationszentrum) der Fondation.
Wie schon in meinem letzten Bericht erwähnt, war es notwendig die Bibliothek zu reorganisieren. Nach dem schon erfolgreich durchgeführten Inventar aller vorhandenen Bücher und Videokassetten, lag es nun daran ein Klassifikationssystem auszuarbeiten, um die vorhandenen Dokumente verschiedenen Kategorien zuzuordnen. Gemeinsam mit einem Kollegen entschied ich mich unter anderem nach folgenden Hauptthemenbereichen zu sortieren: "Konzentrationslager", "Vichy-Regime", "Widerstand" (Résistance), "Zeitzeugenberichte", "Prozesse", "Befreiung der Lager" etc.
Insgesamt haben wir die vorhandenen Bücher nach 16 verschiedenen Hauptkategorien klassifiziert.

Internationale Beziehungen der Fondation pour la Mémoire de la Déportation:
Weiterhin stellte die Aufrechterhaltung der Beziehungen der FMD zu ausländischen Partnerorganisationen einen wesentlichen Teil meiner Arbeiten dar.
Neben dem üblichen Schriftenaustausch mit einzelnen Gedenkstätten (zB. mit der Gedenkstätte Neuengamme) beantwortete ich außerdem schriftliche deutschsprachige Anfragen von Historikern oder Dissertanten über Zwangsarbeit in ehemaligen deutschen Werken/Unternehmen.
Um einen Überblick über die Korrespondenz mit den einzelnen Institutionen zu bewahren, erstellte ich mit Hilfe des Programmes Microsoft Excel eine Liste aller bisher eingegangenen Briefe (Datum, Betreff und ggf. kurze Zusammenfassung der Briefe).

Mitarbeit an der Erstellung der neuen Homepage der FMD:
Die Fondation ist bereits seit 1998 mit einer eigenen Homepage (www.fmd.asso.fr) im Internet vertreten. Gegen Ende des letzten Jahres wurde jedoch beschlossen eine vollkommen neue Homepage zu konstruieren. Bei diesem Projekt arbeitet die Fondation Hand in Hand mit mit einer Webdesign-Firma zusammen, welche sich ausschließlich mit der graphischen Ausarbeitung und dem tatsächlichen Programmieren befasst. Die Struktur und der inhaltliche Aufbau der Seite wird von der FMD festgelegt.
Ich wurde damit betraut "Links", also Internetadressen zu anderen Webseiten, zu sammeln. Um diese Liste von gesammelten Links etwas übersichtlicher zu gestalten, entschloss ich mich dazu, die einzelnen Links verschiedenen Themen zuzuordnen (bsp. Menschenrechte, Gedenken an die Deportation, Kultur und Medien etc.).
Weiters bereitete ich eine Präsentation des Gedenkdienstes im allgemeinen und im speziellen an der Fondation vor.

Teilnahme an diversen Veranstaltungen:
Am 5. Juni 2002 nahm ich an einem von der "Fondation pour la Mémoire de la Shoah" organisierten Kolloquium zu dem Thema "Juden, Antisemitismus und Shoah - Perspektiven und Mittel der Fondation" teil.

11. Juni 2002: Präsentation des neuen Buches "La France des Camps, L'Internement 1938-1946" von Denis Peschanski in den Räumlichkeiten der Fondation.

Im Rahmen des 60 jährigen Gedenkens an die Massenverhaftung von Juden in Paris im Juli 1942 (La rafle du Vél d'Hiv) im "Forum des Images" sah ich den Film "Le Jardin des Finzi-Contini" von Vittorio De Sica.

Vom 13. bis zum 15. September 2002 nahm ich an der Fête de l'Humanité teil (Fest der Menschheit/Menschlichkeit im Pariser Banlieue). Dort habe ich gemeinsam mit Kollegen der Fondation einen Ausstellungstand betreut. Neben dem Verkauf von Büchern, Videokassetten und CD-Rom's zum Thema der Deportation, konnte ich auch Auskünfte über die Arbeiten der Fondation geben und den einen oder anderen interessanten Kontakt knüpfen.

Am 17. September 2002 fand die jährliche Versammlung der Präsidenten der verschiedenen französischen Lagergemeinschaften in der Fondation statt. Ich konnte bei der organisatorischen Abwicklung assistieren und überdies hatte ich danach die Möglichkeit mit ehemals Deportierten ins Gespräch zu kommen.

24. September 2002: Empfang des Präsidenten der "Shoah Visual History Foundation" (Los Angeles, USA) Douglas Greenberg in der Fondation. Dabei handelte es sich um ein erstes Aufeinandertreffen und gegenseitiges Vorstellen der jeweiligen Tätigkeiten und Ziele der beiden Stiftungen. In Zukunft wird man versuchen im pädagogischen Bereich der Vermittlung des Wissens über die Verbrechen und Mißbräuche der Nationalsozialisten enger zu kooperieren.