Bericht(e) von Paul Schieder
Februar 2001 - März 2002

Februar 2001 - Mai 2001|Juni 2001 - September 2001|Oktober 2001 - Januar 2002|Endbericht

Fondation pour la Mémoire de la Déportation:

Zeitliche Auslastung:
40 Stunden.

Februar 2001 - Mai 2001

Tätigkeiten:

In den ersten Monaten meiner Tätigkeit wurde ich in alle Arbeitsbereiche der Fondation pour la Mémoire de la Déportation eingewiesen.

Dazu zählt vor allem die Betreuung des Centre de Documentation (Dokumentationszentrum), einer der Öffentlichkeit zugänglichen Spezialbibliothek. Gemeinsam mit meinem Kollegen Adrian Rossmann habe ich die Aufgabe, Bibliotheksbenutzer zu empfangen und ihnen bei ihrer Literatursuche behilflich zu sein. Daher war es zunächst vonnöten, sich mit dem Aufbau der Bibliothek und ihrem Bestand vertraut zu machen - eine hervorragende Möglichkeit, sich mit den für Frankreich besonders relevanten Fragestellungen auseinander zu setzen.

Gleich zu Beginn war ich außerdem beim Versand des Livre Mémorial behilflich. Es handelt sich dabei um das vorläufige Ergebnis eines mehrjährigen Projektes, das sämtliche aus Frankreich deportierte Häftlinge erfassen soll. Die insgesamt 11 Bände wurden nun zwecks Überprüfung der Daten an fast 200 Organisationen in ganz Frankreich verschickt.

Ein weiterer wichtiger Teil meiner Arbeit besteht aus zahlreichen Übersetzungsarbeiten, meist aus dem Französischen ins Deutsche, teilweise aber auch umgekehrt. Das ambitionierte Projekt der Produktion einer zweisprachigen CD-ROM Mémoires de la Déportation - Gedenken an die Deportation, das von unseren Vorgängern Mathias Schuster und Marko Vojinovic begonnen wurde, wurde nun Adrian Rossmann und mir übertragen. Dabei gilt es auch, Konzepte zu erarbeiten, um die teilweise auf Frankreich konzentrierten Sachverhalte deutschsprachigen Interessenten zugänglich zu machen (so könnte man z.B. Zeitzeugenberichte durch deutsche oder österreichische Interviews ergänzen).

Des weiteren übersetzte ich einen Aufsatz über das AK Gandersheim (Außenkommando von Buchenwald) sowie von einem deutschen Historiker geführte Interviews über den Todesmarsch Gandersheim-Dachau. Diese deutschsprachigen Texte waren bisher in Frankreich nicht zugänglich und sollen bei der Veröffentlichung eines Buches über Gandersheim verwendet werden.

Außerdem sind meine Sprachkenntnisse im Schriftverkehr mit deutschsprachigen Stellen gefordert. Viele Nachforschungen erfordern die Kontaktaufnahme mit Gedenkstätten oder Forschungszentren in Deutschland und Österreich. So war es wiederholt notwendig, Kontakt mit der Gedenkstätte Mauthausen (Informationen zu Wien-Schönbrunn, Unterkommando von Wiener Neustadt bzw. zu Wien-« Mödling »-Hinterbrühl) aufzunehmen. Des weiteren ist es der Fondation pour la Mémoire de la Déportation ein Anliegen, möglichst viele Informationen über das KZ « Neue Bremm » bei Saarbrücken, das viele Franzosen auf dem Weg in andere Konzentrationslager passierten, zu erhalten. Die Kontaktaufnahme mit der dortigen (gerade restrukturierten) Gedenkstätte ergab den gegenseitigen Wunsch verstärkter Zusammenarbeit.
Auch erhält die FMD immer wieder Anfragen zu Diplomarbeiten bzw. Dissertationen, z.B. über französische Zwangsarbeiter in Schleswig-Holstein oder zu Literatur über Internierungsstätten in Frankreich

Vor kurzem konnte ich auch dabei behilflich sein, ein Kooperationsabkommen zwischen der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und der Fondation pour la Mémoire de la Déportation in die Wege zu leiten : dabei geht es um den Austausch von Informationen über Französinnen und Franzosen in Ravensbrück. Ich durfte einer deutschen Historikerin und dem Generaldirektor der FMD als Simultanübersetzer dienen und bei der Verfassung eines Vertragsentwurfs behilflich sein.


Die Fondation pour la Mémoire de la Déportation strebt mittelfristig die Veröffentlichung einer Studie über sämtliche in Frankreich zwischen 1939 und 1946 eingerichteten Internierungsstätten an. Eine erste Erfassung ergibt an die 700 Internierungsstätten verschiedener Kategorien (Lager, konfiszierte Gebäude, Gefängnisse, Militärgefängnisse), die je mit einer kurzen Beschreibung versehen sind. Dabei oblag es meinem Gedenkdienstkollegen und mir, die vorhandenen Informationen in eine einheitliche Form zu bringen, um sie für die folgenden Arbeitsphasen optimal nutzen zu können.
Außerdem ordneten wir ca. 4500 von französischen Deportierten nach dem Département ihrer Festnahme, um so den Weg der Deportation nachvollziehen zu können.

Im Zuge dieser Arbeiten konnte ich mir auch einen Überblick über einschlägige Literatur verschaffen, um aktiv an den Recherchen teilnehmen zu können. Außerdem nahmen mein Kollege Adrian Rossmann und ich an einem Vortrag im Deutschen Historischen Institut teil, bei dem in Anwesenheit von Serge Klarsfeld und Hans Mommsen eine Buchveröffentlichung über die deutsche Besatzung in Frankreich besprochen wurde.

 

Fondation pour la Mémoire de la Déportation:

Zeitliche Auslastung:
40 Stunden.

Juni 2001 - September 2001

Tätigkeiten:

In den Monaten Juni bis September führte ich einerseits die vorher begonnene Arbeit fort, wurde aber auch in neuen Bereichen tätig.

Meine Arbeit im Dokumentationszentrum war weiterhin durch die Kontakte mit deutschsprachigen Stellen geprägt. Die Kontaktaufnahme mit der Initiative Neue Bremm (vgl. erster Bericht) hat Früchte getragen: es gelang mir, wertvolles Informationsmaterial über dieses KZ bei Saarbrücken, das für verhältnismäßig viele französische Deportierte ein Durchgangslager auf ihrem Weg Richtung Osten (nach Buchenwald, Dachau, Mauthausen, Auschwitz oder Ravensbrück) war, zu bekommen. Außerdem beantwortete ich schriftliche deutschsprachige Anfragen, z.B. über Informationen zu einer Ausstellung über Zwangsarbeit in Berlin-Hohenschönhausen. Manchmal genügt auch ein kurzes Telefongespräch, z.B. mit der Gedenkstätte Neuengamme, um bei der Suche nach bestimmten Personen Hilfestellung leisten zu können.

Nach wie vor, gemeinsam mit meinem Kollegen Adrian Rossmann, ist die Übersetzung der CD-ROM Mémoires de la Déportation ein wichtiges Projekt meines Gedenkdienstes. Der große Erfolg dieser CD-ROM hat nun auch zum Beschluß einer Neuauflage auf DVD geführt. Damit verbundene Folgen stehen noch aus.

Ein neues Projekt besteht in der Zusammenstellung einer sogennanten "Valise Expo", d.h. einer Sammlung von Photographien, die beispielsweise für Ausstellungen in Schulen gedacht sind. In Zukunft soll es damit möglich sein, auf Anfragen schnell zu reagieren, indem einfach dieser "Ausstellungskoffer" zur Verfügung gestellt wird. Die Auswahl aus dem Fotoarchiv stellt einen beträchtlichen Zeitaufwand dar: neben der Aussagekraft der Fotos müssen auch technische Aspekte beachtet werden. Teilweise sollen die Fotos direkt vom Trägermaterial CD-ROM vergrößert werden; dies setzt allerdings eine gewisse Minimalgröße der jeweiligen Datei voraus.

Nach wie vor arbeite ich an der Umstellung der Daten über Internierungslager in Frankreich und Kolonien in Nordafrika und Asien von MS-Excel auf MS-Access. Ziel ist es, bequem Zugang zu allen Informationen zu haben und rasch Abfragen nach Regionen und Lagerkategorien zu ermöglichen. Dies ist die Voraussetzung dafür, daß die von den Mitarbeitern in den Regionen gefundenen Details zu den einzelnen Lagern problemlos integriert werden können.

Um die Lebensbedingungen in den französischen Internierungslagern besser verstehen zu können, wurde ich außerdem damit betraut, nach relevanten Gesetzestexten und Erlässen (erste Internierungen unter der Regierung Daladier und in weiterer Folge von der Vichy-Regierung) zu suchen. Diese befinden sich auf Mikrofilm in den JO (Journaux Officiels), nicht weit vom Sitz der FMD entfernt (Das Journal Officiel entspricht dem österreichischen Bundesgesetzblatt).

Wie die einschlägigen Regelungen in die Praxis umgesetzt wurden, konnte ich dann in den Archives Nationales erfahren, als ich nach Rundschreiben an die lokalen Polizeipräfekturen forschte. Ich fand auch Inventarlisten verschiedener Lager, die einen beeindruckenden Einblick in die Größenordnung heute fast unbekannter Internierungsstätten bieten: die Trennung zwischen Internierten und Wachpersonal könne strikter nicht sein.

Vom 14.-16. September fand im Pariser Vorort La Courneuve die Fête de l'Humanité (Fest der Menschheit/Menschlichkeit) statt. Da die Fondation pour la Mémoire de la Déportation auf diesem dreitägigen Fest einen Informationsstand hatte, hatte ich Gelegenheit, über unsere Arbeit zu informieren und die verschiedenen Reaktionen kennenzulernen.

Während eines Treffens der Präsidenten der verschiedenen französischen Lagergemeinschaften hatte ich Gelegenheit, mit einigen von ihnen ins Gespräch zu kommen: die Anwesenheit von österreichischen Gedenkdienern wurde dabei durchgehend sehr positiv beurteilt.

Meine wöchentliche Arbeitsauslastung an der Fondation pour la Mémoire de la Déportation beträgt 40 Stunden.

 

Fondation pour la Mémoire de la Déportation:

Zeitliche Auslastung:
40 Stunden.

Oktober 2001 - Januar 2002

Tätigkeiten:

Der nachstehend beschriebene Zeitraum war von außergewöhnlichen Erfahrungen geprägt.

Das in meinem letzten Bericht erwähnte Treffen der Präsidenten der verschiedenen Lagergemeinschaften und die positive Reaktion auf die Arbeit von Gedenkdienern an der FMD führte dazu, dass die Amicale de Mauthausen mich zur Teilnahme an einem Ende Oktober an der Johannes-Kepler-Universität Linz veranstalteten Symposium einlud.

Gemeinsam mit französischen KZ-Überlebenden und einigen französischen Geschichte/Geographie-Lehrern flog ich Sa., den 27. Oktober über Frankfurt/Main nach Linz, wo wir im Bildungshaus St. Magdalena untergebracht wurden. Der nächste Tag war dem Besuch des ehemaligen KZ Mauthausen vorbehalten: in mehreren Gruppen erzählten uns Überlebende von der Ankunft am Bahnhof Mauthausen, vom Fußmarsch durch die Stadt Mauthausen bis zum KZ, von stundenlangem Warten, der "Desinfektion", den Duschen mit eiskaltem und dann wieder kochen heißem Wasser, der Quarantäne, den Lebensbedingungen in den Baracken. Der Rundgang ging weiter in den Bunker, zur Gaskammer, zur Leichenhalle...

Der Bus brachte uns anschließend in den Steinbruch hinunter, von wo wir über die "Todesstiege" wieder in das Lager kamen. Nach einem kurzen Mittagessen wurde der Nachmittag dazu genutzt, in Workshops verschiedene mit einem Mauthausen-Besuch verbundenen Themen aufzuarbeiten: wie beispielsweise soll ein Rundgang gemacht werden? Wie soll das Museum aussehen? Welchen Stellenwert und welche Aussagekraft haben die zahlreichen Denkmäler außerhalb des Lagers? Welche Probleme werden auftreten, wenn es keine Überlebenden mehr gibt, die von ihren persönlichen Erfahrungen berichten können?

Montag, den 29. Oktober, fand dann das eigentliche Symposium an der Universität Linz statt, das von der Zukunft der Gedenkstätte handelte, aber auch der Frage nachging, welchen Platz das KZ Mauthausen bzw. die Außenlager in der österreichischen Gedächtniskultur einnimmt.

Von diesen sehr intensiven und lehrreichen Tagen zurückkommend, widmete ich mich wieder meinen Aufgaben in der FMD.

Dazu zählte zunächst die Mitarbeit an der Broschüre für den Concours National de la Résistance et de la Déportation, die bis Ende des Jahres fertiggestellt werden musste: insbesondere erstellte ich ein Glossar, das für die teilnehmenden Schüler unverzichtbar ist.

Die Arbeit an der im letzten Bericht bereits genannten "Valise Expo" schreitet voran: ein Großteil der Fotos von Konzentrationslagern konnte bereits gesichtet werden, nun wird es darum gehen, aussagekräftige Bilder für den historischen Kontext zu finden. Das Projekt soll in den nächsten zwei Monaten abgeschlossen werden.

Die DVD-Neuauflage der erfolgreichen CD-ROM Mémoires de la Déportation ist für das laufende Jahr geplant. Es war meine Aufgabe, das bestehende Glossar auf Rechtschreibfehler zu durchsuchen. Außerdem ist vorgesehen, Zeitzeugenberichte, die bisher aufgrund des beschränkteren Speicherplatzes bei CD-ROMs nur mit Ton wiedergegeben wurden, in der DVD-Neuauflage auch mit Bild unterzubringen. Dafür suchte ich in der Videothek die verwendeten Passagen der Zeitzeugen und zeichnete den Time Code auf.

Hinzu kam die routinemäßige Aufgabe der Korrespondenz mit deutschsprachigen Stellen, wie zum Beispiel der Stiftung Topographie des Terrors und den Gedenkstätten Neuengamme und Ravensbrück.

Außerdem trat eine in Wuppertal tätige Organisation mit der FMD in Kontakt, um uns um Hilfe bei der Suche nach einem ehemaligen französischen Zwangsarbeiter zu ersuchen. Leider konnten wir hier aufgrund der sehr spärlichen Informationen keinen Erfolg verbuchen.

Mitte Januar hatte ich gemeinsam mit meinem Kollegen Adrian Rossmann Gelegenheit, ein Interview mit Mme Simone Alizon, einer mit 17 Jahren nach Auschwitz deportierten Überlebenden, zu führen. In der Folge muss der aufgezeichnete Text transkribiert werden, um daraus einen kurzen, aber umfassenden Einblick in ihre Leidensgeschichte zu schaffen.

Gleichzeitig war der Monat Januar von den Vorbereitungen für den Umzug der FMD geprägt, an denen mein Kollege Adrian Rossmann und ich starken Anteil hatten.

Meine wöchentliche Arbeitsauslastung an der Fondation pour la Mémoire de la Déportation beträgt 40 Stunden.

 

Fondation pour la Mémoire de la Déportation:

Zeitliche Auslastung:
40 Stunden.

Endbericht

Tätigkeiten:

Zeitraum Februar - März 2002:
Die letzten zwei Monate meines Gedenkdienstes an der Fondation pour la Mémoire de la Déportation waren sowohl von der Weiterführung laufender Arbeiten als auch vom Beginn neuer Projekte geprägt.

Der Ende Jänner abgeschlosse Umzug der FMD ermöglicht einen verbesserten Zugang zum Dokumentationszentrum, das damit auch vor neue Aufgaben gestellt wird. Daher wurde beschlossen, eine Neuordnung der Bestände in Angriff zu nehmen. Die genaue Ausarbeitung eines Arbeitsplans und der Beginn der Umsetzung wurden mir übertragen.

Außerdem arbeitete ich auch wieder am Projekt Banque de données Multimédia (Multimediadatenbank) mit, das mittelfristig sämtliche Forschungsergebnisse der FMD über Internet der Öffentlichkeit zugänglich machen wird. Dabei geht es einerseits um die Präsentation, andererseits um die Abrufbarkeit (Suchmodus) und die Eingabe (Administratormodus) der Informationen. Gemeinsam mit den zuständigen Kollegen konnte ich hier meine persönlichen Erfahrungen als Benutzer und Verwalter von ähnlichen (z.B. Bibliotheks-)Datenbanken einbringen.

Zusätzlich arbeitete ich weiterhin in der Vidéothèque/Audiothèque an der Erfassung der für die DVD-Neuauflage der CD-Rom Mémoires de la Déportation verwendeten Zeitzeugenberichte. Ich besorgte jene Berichte, die nicht Teil unserer Bestände sind und konnte so die beinahe abgeschlossene Arbeit fortsetzen. Da die zuständige Kollegin im Monat März abwesend war, kümmerte ich mich auch um die eingehende Korrespondenz in diesem Arbeitsbereich.

Rückblick
Am Ende meiner 14 Monate Gedenkdienst bietet es sich an, noch einmal kurz meine Aufgabengebiete an der Fondation pour la Mémoirde de la Déportation zu umreißen und damit die vorhergehenden Berichte zusammenzufasssen.

- Routinearbeiten:
Centre de documentation: Die Betreuung des Dokumentationszentrums zählte von Anfang an zu den Hauptaufgaben von uns Gedenkdienern. Der Empfang von Besuchern und Forschern, die zu leistende Hilfestellung, die Arbeit mit einschlägigen Büchern waren der ideale Einstieg, um uns mit der Geschichte der Deportation aus Frankreich noch weiter vertraut zu machen.

Relations internationales: Der Kontakt zu Archiven, Gedenkstätten und Museen außerhalb Frankreichs gewinnt für die FMD immer mehr an Bedeutung. Folgerichtig waren die Relations internationales für uns Gedenkdiener ein wichtiger Einsatzbereich, in dem wir die eingehende deutschsprachige Korrespondenz übersetzten und deutschsprachige Antworten oder auch eigene Anfragen verfassten. Es war mir ein Anliegen, mögliche Partnerorganisationen systematisch zu erfassen, um einen regelmäßigen Schriftenaustausch zu ermöglichen.
Daneben galt es, deutschsprachige Spezialliteratur auszugsweise zu übersetzen, sei es für spezielle Projekte der FMD, sei es für die Vervollständigung des Dokumentationszentrums.

Communication: Das dreimonatlich erscheinende Bulletin Mémoire vivante wird von unserem Kollegen der "Communication" in Zusammenarbeit mit sämtlichen Mitarbeiteren der FMD zusammengestellt. Immer wieder konnte ich Ideen liefern, vor allem aber, angesichts der Vielzahl deutscher Wörter, korrekturlesen.
Die Sondernummer 32 war ausschließlich dem jährlich stattfindenden Concours national de la Résistance et de la Déportation gewidmet. Ich stellte dafür ein Glossar deutschsprachiger Wörter zusammen, das den Schülern die Arbeit erleichtern sollte.
Um die Ziele der FMD auch in der Öffentlichkeit zu verbreiten, ist Informationsarbeit notwendig, die sich z.B. in der Teilnahme an Messen oder spezialisierten Veranstaltungen wiederspiegelt. So konnte ich etwa, gemeinsam mit meinem Kollegen Adrian Rossmann, an der Fête de l'Humanité über unsere Arbeit informieren.
Außerdem wurde mir aufgetragen, einige Denkmäler der Deportation photographisch festzuhalten, um für zukünftige Bulletins Fotomaterial zur Verfügung zu haben: Vor allem die an die bekanntesten Konzentrationslager erinnernden Denkmäler auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise haben in mir einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Vidéo- und Audiothèque: Die von der DVD-Technologie gebotenen neuen Möglichkeiten in puncto Speicherplatz lassen eine Neuauflage auf diesem Datenträger wünschenswert erscheinen. Kapazitätsbeschränkungen, denen die CD-Rom-Version unterlegen war, bestehen nun nicht mehr. Insbesondere wird es damit möglich, manche Zeitzeugenberichte, die bisher nur mit Ton gespeichert werden konnten, nun auch zu visualisieren. Eine meiner Aufgaben war es, sämtliche Tonpassagen auf den Videokassetten der Zeitzeugen wiederzufinden, die Passagen zu transkribieren und den Time Code zu eruieren. So wird es leicht möglich sein, die Berichte mit Bild und Ton auf DVD wiederzugeben.

- Mitarbeit an Projekten der FMD
Grundsätzlich versuchte ich, mich in alle laufenden Projekte der Fondation einzubringen. Die herzliche Aufnahme seitens der Mitarbeiter der FMD ermöglichte mir dann auch tatsächlich, in den verschiedensten Arbeitsbereichen zum Einsatz zu kommen.

CD-Rom: Am Beginn des Gedenkdienstes wurde ich gemeinsam mit meinem Kollegen Adrian Rossmann vor allem für die Übersetzung des von der FMD herausgegebenen CD-Rom Mémoires de la Déportation herangezogen. Dieses ambitionierte Projekt wurde allerdings aufgrund der Neuauflage als DVD vorerst hintangestellt.

Livre Mémorial: Zum Zeitpunkt unseres Dienstantritts hatte die FMD gerade das vorläufige Ergebnis eines mehrjährigen Projekts in Druck gegeben: das Livre Mémorial, das sämtliche aus Frankreich deportierten Personen erfassen soll und damit eine Ergänzung zu Serge Klarsfelds Mémorial de la Déportation des Juifs de France darstellt. Gemeinsam mit Adrian Rossmann half ich mit, die je 11 Bände an annähernd 200 Organisationen in ganz Frankreich zu verschicken. In der Folge konnte ich wiederholt ehemaligen Deportierten oder Angehörigen bei der Überprüfung bzw. Korrektur der Daten behilflich sein.

Internement: Im Rahmen des Vorhabens der FMD, eine Studie über Internierungslager in Frankreich von 1939-1946 zu verfassen, konnte ich wiederholt Recherchen in den Archives Nationales (Suche nach Rundschreiben und Verordnungen) und den Journaux Officiels (Suche nach einschlägigen Gesetzestexten und Erlässen) durchführen.

Valise Expo: Immer wieder organisieren Schulen Ausstellungen zum Thema Deportation oder Holocaust. Da die FMD mit Schulen zusammenarbeitet, indem Kontakt zu Lehrern gehalten wird und Überlebende als Zeitzeugen mit Schülern zusammentreffen, ist es uns ein Anliegen, den Schulen bei der Vorbereitung dieser Ausstellungen behilflich zu sein. Dabei spielt die Valise Expo, ein leicht zu transportierender Ausstellungskoffer, der im Bedarfsfall einfach von Lehrern abgeholt werden kann, eine große Rolle. Meine Aufgabe in diesem Projekt bestand in der Visualisierung und einer ersten Auswahl unzähliger Fotos, deren genaue Legenden in der Folge herausgefunden werden mussten. Der Abschluss des Projekts obliegt nun meinen Kollegen von der FMD.

- Besondere Erfahrungen:
Neben den laufenden Arbeiten an der FMD gab es im Laufe dieser 14 Monate zwei Erlebnisse, die mich tief bewegten und bereicherten.

Ende Oktober 2001 hatte ich Gelegenheit, gemeinsam mit französischen Überlebenden des KZ Mauthausen und einer Gruppe von Lehrern nach Österreich zu fliegen, um an dem von ihnen organisierten internationalen Symposium an der Universität Linz teilzunehmen. Der Besuch der Gedenkstätte Mauthausen mit den Erläuterungen ehemaliger Häftlinge war für mich ein außerordentliches Privileg und ich werde zweifellos auch nach Beendigung meines Gedenkdienstes weiterhin den Kontakt zur Amicale de Mauthausen aufrechterhalten.

Mitte Januar 2002 gewährte Mme Alizon, die mit 17 Jahren nach Auschwitz deportiert wurde, meinem Kollegen Adrian Rossmann und mir ein Interview, das wir aufzeichneten, zur Gänze transkribierten und auf Deutsch übersetzten. Die Idee dafür hatten wir schon seit längerem gehegt und daher als Vorbereitung Teile ihres Buches L'exercice de vivre gelesen und Ausschnitte ihres von der FMD gemachten Zeitzeugeninterviews angesehen. Das eigentliche Gespräch hatte aber natürlich eine gänzlich andere Qualität. Besonders bewegt war ich von der Fähigkeit von Mme Alizon, trotz dieser schrecklichen Erfahrungen so viel Verständnis und Offenheit und auch eine solch differenzierte Sicht gegenüber Deutschland und Österreich zu haben.

Schlussbemerkung
Während meines Geschichte-Studiums an der Universität Wien hatte ich wiederholt Gelegenheit, mich mit Österreichs Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Einige persönliche Erfahrungen mit Überlebenden von Konzentrationslagern bestärkten mich in meinem Vorhaben, mir mehr Wissen anzueignen und auch über die mit unserer Geschichte verbundene Verantwortung nachzudenken.

Die Möglichkeit, Gedenkdienst zu leisten, sehe ich aufgrund meiner Erfahrungen als wertvolles Mittel an, diese Verantwortung wahrzunehmen und ernsthaft in einem Bereich zu arbeiten, der nicht nur historische Fakten, sondern auch daraus resultierende Wertvorstellungen vermittelt. Abgesehen von der persönliche Bereicherung meine ich, nun auch die gegenwärtige österreichische Gesellschaft besser verstehen zu können.

Der Besuch des österreichischen Botschafters in Frankreich, seiner Exzellenz Anton Prohaska, bezeugte in beeindruckender Weise die Unterstützung, die die Republik Österreich ihren Gedenkdienern gewährt. Dies gegen Ende meines Dienstes noch einmal bestätigt zu sehen war mir eine besondere Freude.