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Fondation pour la Mémoire de la Déportation:
Zeitliche Auslastung:
40 Stunden.
Endbericht
Tätigkeiten:
Zeitraum
Februar - März 2002:
Die letzten zwei Monate meines Gedenkdienstes an der Fondation
pour la Mémoire de la Déportation waren sowohl
von der Weiterführung laufender Arbeiten als auch vom
Beginn neuer Projekte geprägt.
Der Ende Jänner abgeschlosse Umzug der FMD ermöglicht
einen verbesserten Zugang zum Dokumentationszentrum, das damit
auch vor neue Aufgaben gestellt wird. Daher wurde beschlossen,
eine Neuordnung der Bestände in Angriff zu nehmen. Die
genaue Ausarbeitung eines Arbeitsplans und der Beginn der
Umsetzung wurden mir übertragen.
Außerdem arbeitete ich auch wieder am Projekt Banque
de données Multimédia (Multimediadatenbank)
mit, das mittelfristig sämtliche Forschungsergebnisse
der FMD über Internet der Öffentlichkeit zugänglich
machen wird. Dabei geht es einerseits um die Präsentation,
andererseits um die Abrufbarkeit (Suchmodus) und die Eingabe
(Administratormodus) der Informationen. Gemeinsam mit den
zuständigen Kollegen konnte ich hier meine persönlichen
Erfahrungen als Benutzer und Verwalter von ähnlichen
(z.B. Bibliotheks-)Datenbanken einbringen.
Zusätzlich arbeitete ich weiterhin in der Vidéothèque/Audiothèque
an der Erfassung der für die DVD-Neuauflage der CD-Rom
Mémoires de la Déportation verwendeten Zeitzeugenberichte.
Ich besorgte jene Berichte, die nicht Teil unserer Bestände
sind und konnte so die beinahe abgeschlossene Arbeit fortsetzen.
Da die zuständige Kollegin im Monat März abwesend
war, kümmerte ich mich auch um die eingehende Korrespondenz
in diesem Arbeitsbereich.
Rückblick
Am Ende meiner 14 Monate Gedenkdienst bietet es sich an, noch
einmal kurz meine Aufgabengebiete an der Fondation pour la
Mémoirde de la Déportation zu umreißen
und damit die vorhergehenden Berichte zusammenzufasssen.
- Routinearbeiten:
Centre de documentation: Die Betreuung des Dokumentationszentrums
zählte von Anfang an zu den Hauptaufgaben von uns Gedenkdienern.
Der Empfang von Besuchern und Forschern, die zu leistende
Hilfestellung, die Arbeit mit einschlägigen Büchern
waren der ideale Einstieg, um uns mit der Geschichte der Deportation
aus Frankreich noch weiter vertraut zu machen.
Relations internationales: Der Kontakt zu Archiven, Gedenkstätten
und Museen außerhalb Frankreichs gewinnt für die
FMD immer mehr an Bedeutung. Folgerichtig waren die Relations
internationales für uns Gedenkdiener ein wichtiger Einsatzbereich,
in dem wir die eingehende deutschsprachige Korrespondenz übersetzten
und deutschsprachige Antworten oder auch eigene Anfragen verfassten.
Es war mir ein Anliegen, mögliche Partnerorganisationen
systematisch zu erfassen, um einen regelmäßigen
Schriftenaustausch zu ermöglichen.
Daneben galt es, deutschsprachige Spezialliteratur auszugsweise
zu übersetzen, sei es für spezielle Projekte der
FMD, sei es für die Vervollständigung des Dokumentationszentrums.
Communication: Das dreimonatlich erscheinende Bulletin Mémoire
vivante wird von unserem Kollegen der "Communication"
in Zusammenarbeit mit sämtlichen Mitarbeiteren der FMD
zusammengestellt. Immer wieder konnte ich Ideen liefern, vor
allem aber, angesichts der Vielzahl deutscher Wörter,
korrekturlesen.
Die Sondernummer 32 war ausschließlich dem jährlich
stattfindenden Concours national de la Résistance et
de la Déportation gewidmet. Ich stellte dafür
ein Glossar deutschsprachiger Wörter zusammen, das den
Schülern die Arbeit erleichtern sollte.
Um die Ziele der FMD auch in der Öffentlichkeit zu verbreiten,
ist Informationsarbeit notwendig, die sich z.B. in der Teilnahme
an Messen oder spezialisierten Veranstaltungen wiederspiegelt.
So konnte ich etwa, gemeinsam mit meinem Kollegen Adrian Rossmann,
an der Fête de l'Humanité über unsere Arbeit
informieren.
Außerdem wurde mir aufgetragen, einige Denkmäler
der Deportation photographisch festzuhalten, um für zukünftige
Bulletins Fotomaterial zur Verfügung zu haben: Vor allem
die an die bekanntesten Konzentrationslager erinnernden Denkmäler
auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise haben in mir
einen tiefen Eindruck hinterlassen.
Vidéo- und Audiothèque: Die von der DVD-Technologie
gebotenen neuen Möglichkeiten in puncto Speicherplatz
lassen eine Neuauflage auf diesem Datenträger wünschenswert
erscheinen. Kapazitätsbeschränkungen, denen die
CD-Rom-Version unterlegen war, bestehen nun nicht mehr. Insbesondere
wird es damit möglich, manche Zeitzeugenberichte, die
bisher nur mit Ton gespeichert werden konnten, nun auch zu
visualisieren. Eine meiner Aufgaben war es, sämtliche
Tonpassagen auf den Videokassetten der Zeitzeugen wiederzufinden,
die Passagen zu transkribieren und den Time Code zu eruieren.
So wird es leicht möglich sein, die Berichte mit Bild
und Ton auf DVD wiederzugeben.
- Mitarbeit an Projekten der FMD
Grundsätzlich versuchte ich, mich in alle laufenden Projekte
der Fondation einzubringen. Die herzliche Aufnahme seitens
der Mitarbeiter der FMD ermöglichte mir dann auch tatsächlich,
in den verschiedensten Arbeitsbereichen zum Einsatz zu kommen.
CD-Rom: Am Beginn des Gedenkdienstes wurde ich gemeinsam
mit meinem Kollegen Adrian Rossmann vor allem für die
Übersetzung des von der FMD herausgegebenen CD-Rom Mémoires
de la Déportation herangezogen. Dieses ambitionierte
Projekt wurde allerdings aufgrund der Neuauflage als DVD vorerst
hintangestellt.
Livre Mémorial: Zum Zeitpunkt unseres Dienstantritts
hatte die FMD gerade das vorläufige Ergebnis eines mehrjährigen
Projekts in Druck gegeben: das Livre Mémorial, das
sämtliche aus Frankreich deportierten Personen erfassen
soll und damit eine Ergänzung zu Serge Klarsfelds Mémorial
de la Déportation des Juifs de France darstellt. Gemeinsam
mit Adrian Rossmann half ich mit, die je 11 Bände an
annähernd 200 Organisationen in ganz Frankreich zu verschicken.
In der Folge konnte ich wiederholt ehemaligen Deportierten
oder Angehörigen bei der Überprüfung bzw. Korrektur
der Daten behilflich sein.
Internement: Im Rahmen des Vorhabens der FMD, eine Studie
über Internierungslager in Frankreich von 1939-1946 zu
verfassen, konnte ich wiederholt Recherchen in den Archives
Nationales (Suche nach Rundschreiben und Verordnungen) und
den Journaux Officiels (Suche nach einschlägigen Gesetzestexten
und Erlässen) durchführen.
Valise Expo: Immer wieder organisieren Schulen Ausstellungen
zum Thema Deportation oder Holocaust. Da die FMD mit Schulen
zusammenarbeitet, indem Kontakt zu Lehrern gehalten wird und
Überlebende als Zeitzeugen mit Schülern zusammentreffen,
ist es uns ein Anliegen, den Schulen bei der Vorbereitung
dieser Ausstellungen behilflich zu sein. Dabei spielt die
Valise Expo, ein leicht zu transportierender Ausstellungskoffer,
der im Bedarfsfall einfach von Lehrern abgeholt werden kann,
eine große Rolle. Meine Aufgabe in diesem Projekt bestand
in der Visualisierung und einer ersten Auswahl unzähliger
Fotos, deren genaue Legenden in der Folge herausgefunden werden
mussten. Der Abschluss des Projekts obliegt nun meinen Kollegen
von der FMD.
- Besondere Erfahrungen:
Neben den laufenden Arbeiten an der FMD gab es im Laufe dieser
14 Monate zwei Erlebnisse, die mich tief bewegten und bereicherten.
Ende Oktober 2001 hatte ich Gelegenheit, gemeinsam mit französischen
Überlebenden des KZ Mauthausen und einer Gruppe von Lehrern
nach Österreich zu fliegen, um an dem von ihnen organisierten
internationalen Symposium an der Universität Linz teilzunehmen.
Der Besuch der Gedenkstätte Mauthausen mit den Erläuterungen
ehemaliger Häftlinge war für mich ein außerordentliches
Privileg und ich werde zweifellos auch nach Beendigung meines
Gedenkdienstes weiterhin den Kontakt zur Amicale de Mauthausen
aufrechterhalten.
Mitte Januar 2002 gewährte Mme Alizon, die mit 17 Jahren
nach Auschwitz deportiert wurde, meinem Kollegen Adrian Rossmann
und mir ein Interview, das wir aufzeichneten, zur Gänze
transkribierten und auf Deutsch übersetzten. Die Idee
dafür hatten wir schon seit längerem gehegt und
daher als Vorbereitung Teile ihres Buches L'exercice de vivre
gelesen und Ausschnitte ihres von der FMD gemachten Zeitzeugeninterviews
angesehen. Das eigentliche Gespräch hatte aber natürlich
eine gänzlich andere Qualität. Besonders bewegt
war ich von der Fähigkeit von Mme Alizon, trotz dieser
schrecklichen Erfahrungen so viel Verständnis und Offenheit
und auch eine solch differenzierte Sicht gegenüber Deutschland
und Österreich zu haben.
Schlussbemerkung
Während meines Geschichte-Studiums an der Universität
Wien hatte ich wiederholt Gelegenheit, mich mit Österreichs
Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen.
Einige persönliche Erfahrungen mit Überlebenden
von Konzentrationslagern bestärkten mich in meinem Vorhaben,
mir mehr Wissen anzueignen und auch über die mit unserer
Geschichte verbundene Verantwortung nachzudenken.
Die Möglichkeit, Gedenkdienst zu leisten, sehe ich aufgrund
meiner Erfahrungen als wertvolles Mittel an, diese Verantwortung
wahrzunehmen und ernsthaft in einem Bereich zu arbeiten, der
nicht nur historische Fakten, sondern auch daraus resultierende
Wertvorstellungen vermittelt. Abgesehen von der persönliche
Bereicherung meine ich, nun auch die gegenwärtige österreichische
Gesellschaft besser verstehen zu können.
Der Besuch des österreichischen Botschafters in Frankreich,
seiner Exzellenz Anton Prohaska, bezeugte in beeindruckender
Weise die Unterstützung, die die Republik Österreich
ihren Gedenkdienern gewährt. Dies gegen Ende meines Dienstes
noch einmal bestätigt zu sehen war mir eine besondere
Freude.
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