Bericht(e) von Adrian Rossmann
Februar 2001 - März 2002

Februar 2001 - Mai 2001|Juni 2001 - September 2001|Oktober 2001 - Januar 2002|Endbericht

Fondation pour la Mémoire de la Déportation:

Zeitliche Auslastung:
40 Stunden.

Tätigkeiten:

Februar 2001 - Mai 2001
Die ersten Monate meiner Arbeit waren von einer Vielzahl von Tätigkeiten geprägt, mit dem vorrangigen Ziel alle Bereiche der Fondation kennenzulernen. Kurz zusammengefasst standen die Konsolidierung vorhandener Listen mit Internierungsstätten in Frankreich, die Sortierung von Zeitzeugenberichten nach Départements und die Übersetzung der CD-Rom auf Deutsch („Mémoires de la Déportation", Gedenken an die Deportation) im Vordergrund.

Die Fondation verschickte im Rahmen eines Projektes 1992 an alle noch lebenden Deportierten eine Art Fragebogen, mit dem der Hergang ihrer Deportation möglichst genau festgehalten werden sollte. Um die genauen Geschehnisse nachvollziehen zu können, ordneten mein Kollege Paul Schieder und ich sämtliche Berichte nach dem Département (Frankreich ist in 94 Verwaltungseinheiten gegliedert, den sogenannten Départements) der Festnahme der jeweiligen Person. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich bei der genauen Analyse der dadurch gewonnenen Informationen behilflich sein.

Im weiteren delegierte mir der für Internierung in Frankreich zuständige Kollege, die Aufgabe, sämtliche aktuellen und für die Fondation relevanten Themen aus den zur Verfügung stehenden Zeitungen zu suchen. Um die gefundenen Artikel bestmöglich archivieren zu können, erstellte ich eine neue Gliederung nach Themen. Nach geraumer Zeit konnte ich diese Aufgabe zur Gänze übernehmen.

In Zusammenarbeit mit dem zweiten Gedenkdiener Paul Schieder übersetzte ich weitere Kapitel der CD-Rom der Fondation auf Deutsch. Dadurch wird ein Teil der Arbeit unserer Vorgänger Mathias Schuster und Marko Vojinovic fortgesetzt. Ziel ist es eine vollständige Übersetzung der CD-Rom auf Deutsch zu erhalten, um die Inhalte auch einem deutschsprachigen Publikum zugängig zu machen.

Im „Centre de Documentation" (Dokumentationszentrum), einem Raum mit einer kleinen spezialisierten Bibliothek, konnte ich mich persönlich mit dem Thema der Deportation auseinander setzen. Gemeinsam mit meinem Kollegen Paul Schieder war es unsere Aufgabe, Besucher zu empfangen und zu betreuen, d. h. bei der Suche von bestimmten Werken behilflich zu sein.

Der für die Internierung zuständige Kollege erstellt seit einigen Jahre eine Liste mit allen Internierungsstätten in Frankreich. Im Zuge einer Überarbeitung dieser Liste war ich ihm, zusammen mit meinem Kollegen Paul Schieder, bei der Konsolidierung dieser behilflich. Diese Arbeit verschaffte mir einen guten Überblick über alle Orte der Internierung in Frankreich. Dies war bei späteren Arbeiten von großer Hilfe.

Ein weiteres wichtiges Projekt der Fondation ist es, ein Buch (mehrere Bände) mit einer Liste sämtlicher aus Frankreich Deportierten zu erstellen. Ich durfte beim Versand der Rohfassung des „Livre Mémorial" behilflich sein.

Zusätzlich zählte es zu meiner Aufgabe, in Zusammenarbeit mit Paul Schieder die Kommunikation mit deutschsprachigen Partnerorganisation zu führen, d. h. alle eingehenden Briefe auf Französisch zu übersetzen und eine eventuelle Antwort wieder von Französisch auf Deutsch zu übersetzen. Hin und wieder erfolgte die Kontaktaufnahme auch via Telefon.

Darüberhinaus nahm ich mit meinem Kollegen Paul Schieder an einem Vortrag am Deutschen-Historischen Institut zum Thema der Deportation teil. Bei dieser Gelegenheit besichtigte ich auch gleich die dort vorhandene Bibliothek, die unsere Vorgänger als Hilfe bei der Übersetzung der CD-Rom verwendeten.

 

Fondation pour la Mémoire de la Déportation:

Zeitliche Auslastung:
40 Stunden.

Tätigkeiten:

Juni 2001 - September 2001
In den letzten Monaten kam eine Routine in meine Arbeit. Vorrangig beschäftigte ich mich mit der Übersetzung der CD-Rom "Mémoires de la Déportation", gefolgt von einem großen Teil an Dokumentationsarbeit. Zwischendurch gab es immer einige kleinere Aufgaben.

Nach wie vor ist es eine meiner Aufgaben, die Medien regelmäßig im Auge zu behalten und darauf zu achten, ob es für die Fondation relevante Themen (Errichtung neuer Gedenkstätten, Museum, kulturelle Veranstaltungen, nationalsozialistische Wiederbetätigung) zu verfolgen gibt. Dies beinhaltet das Lesen der vorhandenen Medien und eventuell zusätzlich anfallende Internetrecherchen. Die in Frage kommenden Artikel werden dann in das vorhandene Archiv von mir eingeordnet. Zur Zeit finde ich zumeist Artikel über Verbrechen gegen die Menschheit.

Die Übersetzung der CD-Rom "Mémoires de la Déportation" auf Deutsch nimmt nach wie vor einen Großteil unserer Zeit in Anspruch. Zusammen mit meinem Kollegen Paul Schieder arbeite ich an diesem immensen Projekt. Diese Aufgabe werde ich bis zum Ende meines Dienstes hier fortführen.

In den letzten Monaten half ich regelmäßig einer Kollegin, die für die Audio- und Videothèque zuständig bin. Dabei handelt es sich um Zeitzeugenberichte, entweder in Form von Audio- oder Videokassetten. Zusätzlich gibt eine große Anzahl schriftlicher Berichte, die manchmal noch bearbeitet werden müssen. Vorrangig half ich meiner Kollegin dabei, Ordnung zu halten, und alles bestmöglich zu archivieren. Häufig gab es auch Besuch von noch lebenden Deportierten, welche mir manchmal einen kurzen Einblick in ihre Erlebnisse gaben.

Im Rahmen der Kommunikation übernahm ich einen Teil der Korrespdondenz mit deutschsprachigen Stellen. Dies beinhaltete die Übersetzung von eingehenden Berichten auf Französisch und das Verfassen von Antworten. Beispielsweise konnte ich einem deutschen Journalisten Auskunft geben, der an einem Fernsehbericht über Transsexuelle im Dritten Reich arbeitete.

Am 15. September nahm ich gemeinsam mit dem zweiten Gedenkdiener Paul Schieder an der "Fête de l'humanité" (Feier der kommunistischen Partei Frankreichs) teil. Ich half einem Kollegen der Fondation bei der Ausführung. Die Fondation hatte dort einen Stand, an dem sie über ihre Tätigkeiten Auskunft gab und ihre Publikationen ausstellte.

Im September fand die eintägige Versammlung der Präsidenten von Partnerorganisationen der Fondation statt. Dort konnte ich die genauen Aufgabenbereiche und Projekte der Fondation sehr gut kennenlernen. Außerdem hatte ich wieder die Gelegenheit, mit ehemals Deportierten zu sprechen. Ich konnte dem Generalsekretär der Fondation Yves Lescure beim organisatorischen Ablauf assistieren.

 

 

Fondation pour la Mémoire de la Déportation:

Zeitliche Auslastung:
40 Stunden.

Tätigkeiten:

Oktober 2001 - Januar 2002
In den letzten vier Monaten ist es mir gelungen an der Fondation, neben meiner regelmäßigen Arbeit auch eine Fülle neuer Tätigkeitsbereiche wie zum Beispiel der "Concours national" und die Arbeit im Dokumentationszentrum genauer kennenzulernen. Die Arbeit an der Übersetzung der CD-Rom wurde eingestellt und außerdem ist die Fondation in ein neues Gebäude umgezogen.

Mein Kollege Cyrille Lequellec arbeitet in einem mehrjährigen Projekt an der Internierung in Frankreich. Ziel ist es alle Internierungsstätten in Frankreich ausfindig zu machen und ihre Größe zu bestimmen. Fast drei Wochen lang war ich damit beschäftigt, für alle neu gefunden Internierungsstätten ein "Dossier" anzulegen und gleichzeitig die Quelle davon zu dokumentieren. Dadurch erwies ich nicht nur meinem Kollegen eine großen Dienst, sondern konnte auch einen guten Einblick in die geographische Verteilung der Internierungsstätten gewinnen.

In Zuge der Entscheidung einer Neuauflage der CD-Rom "Mémoires de la Déportation" in Form einer DVD, stellt sich vorübergehend nicht die Notwendigkeit der Übersetzung auf Deutsch. Folglich wurde beschlossen, bis auf weiteres die Arbeit bei ihrem jetzigen Stand zu belassen und die Neuauflage abzuwarten.

Die Fondation hat in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen den "Concours national de la Déportation" erstellt. Hierbei handelt es sich um einen Wettbewerb unter Schülern in Form von Projektarbeiten. Das diesjährige Thema war die künstlerische Betätigung während und nach der Deportation. Gemeinsam mit allen anderen Mitarbeitern der Fondation konnte ich einen wichtigen Beitrag diesbezüglich leisten. Dies beinhaltet die Beschaffung der entsprechenden Literatur und der Vielzahl von Bildern sowie das Korrekturlesen.

Meine tägliche Aufgabe, das aktuelle Geschehen für die Fondation zu verfolgen, habe ich nach wie vor weitergeführt. Alle relevanten Themen wurden von mir beobachtet und die entsprechenden Artikel aus Zeitungen in das vorhandene Archiv eingeordnet.

Im Zuge der Aufgabe der Dokumentation und der Archivierung der für die Deportation relevanten Literatur vervollständigte ich eine Inventarliste aller an der Fondation vorhandenen Literatur (mit Ausnahme des Dokumentationszentrums). Gleichzeitig begann ich mich nach Werken umzusehen, die an der Fondation noch fehlen und von Nutzen für unsere Arbeit sein können. Nach einer Besprechung mit meinem Kollegen Cyrille Lequellec schaffte ich die entsprechenden Werke an und nahm sie in die Inventarliste auf. Diese Arbeit hängt eng mit dem Verfolgen der Aktualität zusammen, da sich in der Zeitung oft Hinweise auf neue Literatur finden.

Des weiteren kümmerte ich mich um die Aufrechterhaltung der Kommunikation zu deutschsprachigen Partnerorganisationen in Zusammenarbeit mit dem zweiten Gedenkdiener Paul Schieder. Unter anderem kümmerten wir uns darum, unseren Partnerorganisationen unsere neue Adresse mitzuteilen.

Im Jänner half ich, wie alle Mitarbeiter der Fondation, bei der Organisation des anstehenden Umzugs mit. Die Fondation zieht von der rue St. Dominique auf den Boulevard des Invalides (Adresse siehe oben) in ein Gebäude mit der "Fondation de la Résistance". Es galt vorallem das umfangreiche Dokumentationszentrum auf seinen Umzug vorzubereiten. Für die neue Bibliothek wird es in den nächsten Monaten notwendig sein, ein neue Ordnung zu erstellen.

Gemeinsam mit meinem Kollegen Paul Schieder hatte ich das Vergnügen ein Interview mit einer ehemalig Deportierten zu führen. Wir haben uns im Vorhinein einen Fragenkatalog zusammengestellt und konnten auf diese Weise aus erster Hand über die Deportation erfahren. Dieses Interview stellte einen der interessantesten Teile meiner Arbeit dar und hat mich ein weiteres Mal in meiner Entscheidung Gedenkdienst zu leisten bekräftigt.

 

Fondation pour la Mémoire de la Déportation:

Zeitliche Auslastung:
40 Stunden.

Tätigkeiten:

Endbericht

Tägliche Arbeiten:
In den vergangenen vierzehn Monaten ist es mir gelungen, alle Arbeitsbereiche der Fondation kennen zu lernen. Manche dieser Arbeiten wurden regelmäßig von mir die gesamten vierzehn Monate meines Gedenkdienstes verrichtet. Darunter fallen die kommenden fünf Punkte.

- Übersetzungen verschiedenster Art:
In ständiger Zusammenarbeit mit meinem Kollegen Paul Schieder übersetzte ich eingehende deutsche Briefe, um den Kollegen an der Fondation das Verständnis zu vereinfachen. Antworten konnte ich zum Teil selbst verfassen bzw. kümmerte ich mich um die Übersetzung einer französischen Antwort eines Kollegen ins Deutsche.
Oft gibt es Literatur oder Dokumente, die ausschließlich in deutscher Sprache existieren. Um beispielsweise dem Kollegen, der sich mit der Internierung in Frankreich beschäftigt, die Arbeit zu erleichtern und eventuell neue Informationen zu finden, übersetzte ich ausgewählte Teile. Leider sind die meisten Werke einfach viel zu umfangreich, um sie zur Gänze zu übersetzen.
Besonders zu Beginn meines Gedenkdienstes übersetzte ich gemeinsam mit dem zweiten Gedenkdiener Paul Schieder die bereits von unseren Vorgängern begonnene Arbeit, die CD-Rom "Mémoires de la Déportation". Aufgrund der Entscheidung einer Neuauflage dieser CD-Rom in Form einer DVD wurde dieser Teil unserer Arbeit immer wenigerx .

- Kontakt zu ausländischen Partnerorganisationen:
Fast täglich erhält die Fondation Anfragen von ähnlichen ausländischen Organisationen zur Geschichte der Nazibesetzung in Frankreich oder aber sehr oft auch über den Verbleib bestimmter Personen. Wir bemühen uns, wie bereits bei den Übersetzungen erwähnt, auf diese zu antworten, und falls uns dies nicht möglich ist, sie an andere Organisationen weiterzuleiten.
Natürlich hat auch die Fondation oft Fragen, die sie selbst nicht beantworten kann. Dazu werden die bestehenden internationalen Kontakte verwendet. Ich schrieb öfters die entsprechenden Briefe oder tätigte den notwendigen Telefonanruf. Oft stellt sich auch heraus, dass es neue Projekte gibt, zu denen entsprechende Organisationen oder Initiativen geschaffen wurden. Eine meiner Aufgaben, in Zusammenarbeit mit Paul Schieder und später auch meinem dritten Kollegen David Wiesmann, war, diese zu finden und mit ihnen Kontakt aufzunehmen.

- Hilfe bei bestimmten Projekten der Fondation
In unregelmäßigen Abstanden half ich auch an der Realisierung der verschiedenen Projekten der Fondation mit. Dazu zählt zum Beispiel "Mémoire vivante", das dreimal jährlich erscheinende Informationsblatt der Fondation. Häufig konnte ich unserem Kollegen behilflich sein und kleinere Recherchen für ihn durchführen, ihm beispielsweise Fotos besorgen oder ihm bei der Korrektur der deutschen Begriffe behilflich sein. Darüber hinaus verfasste ich einmal einen Nachruf.
Im Rahmen des jährlich stattfindenden "Concours de la Déportation" (Wettbewerb an Schulen zum Thema Deportation) assistierte ich bei der Erstellung einer Informationsbroschüre für die teilnehmenden Schüler. Die Arbeit gleicht sehr jener für die "Mémoire vivante". Das diesjährige Thema war die Kunst während der Deportation. Ich konnte mir einen Überblick über die bestehenden Kunstwerke verschaffen und einen Teil der verwendeten Gedichte auswählen.
Des öfteren nahm die Fondation an öffentlichen Veranstaltungen teil, um dort ihre Arbeit zu repräsentieren. Vergangenen Herbst konnte ich beispielsweise zusammen mit meinen Kollegen und Paul Schieder am Stand der Fondation bei der Fête de l'Humanité (große Feier der kommunistischen Partei Frankreichs) helfen.

- Dokumentationsarbeit:
Zu Beginn meines Dienstes kümmerte ich mich gemeinsam mit Paul Schieder um den Empfang von Besuchern im "Centre de documentation", das damals noch im Hôtel des Invalides untergebracht war (Dokumentationszentrum). Immer wieder führte ich aus verschiedenen Anlässen Recherchen im Dokumentationszentrum durch.
Um die kleine Bibliothek zu erweitern und auf dem Laufenden zu halten, beobachtete ich regelmäßig die vorhandenen Zeitungen und schaffte neue und fehlende essentielle Werke an.
Über einen längeren Zeitraum in kleine Teile zerteilt, archivierte ich für meinen Kollegen, der sich mit der Internierung beschäftigt, sämtliche Quellen der neugefundenen Internierungsstätten.
In der "Vidéo -und Audiothèque" der Fondation, in der einige hundert Zeitzeugenberichte auf Video -und Audiokassetten archiviert sind, half ich zu verschiedenen Zeitpunkten der dortigen Kollegin. Die Arbeit bestand vor allem darin, die vorhandenen Zeugnisse der Deportation in eine formal richtige Form zu bringen und etwaige Fehler auszubessern.
Wie bereits in meinen ersten drei Berichten erwähnt, zählte es auch zu meiner Aufgabe, täglich die vorhanden Medien an der Fondation aufmerksam zu lesen, und die darin enthaltenen, für die Fondation relevanten Themen zu archivieren. Dabei handelt es sich beispielsweise um sämtliche Artikel, die die Deportation behandeln oder aber allgemeinere Themenbereiche wie Verbrechen gegen die Menschheit.

- Recherchen:
In einem mehrjährigen Projekt hat es sich die Fondation zum Ziel gesetzt, sämtliche unter der Anwendung von Gewalt in Frankreich verhafteten und anschließend deportierten Personen im sogenannten "Livre mémorial" (Gedenkbuch) festzuhalten. Repressionsmaßnahmen Häufig war es meine Aufgabe in diesem neun Bände umfassenden Werk, über den Verbleib von verschiedenen Personen zu recherchieren.
Wie bereits bei der Dokumentationsarbeit erwähnt, assistierte ich meinem Kollegen, der sich mit der Internierung beschäftigt, bei der Dokumentation. Manchmal konnte ich ihm aber auch bei der Suche von Informationen beispielsweise in den französischen Nationalarchiven behilflich sein. Die Quellen unserer Informationen beschränken sich nicht auf Archive und Bibliotheken in Frankreich, sondern beinhalten auch umfangreiche Internetrecherchen. Dabei konnte ich meinen mit diesem Medium noch nicht so erfahrenen Kollegen eine große Hilfe beweisen.

Eine außergewöhnlich Erfahrung: Interview mit Mme Alizon:
Durch einen Zufall gelang es meinem Kollegen Paul Schieder und mir, die ehemalige Deportierte Mme Alizon außerhalb der Fondation kennen zu lernen. Bei ihren häufigen Besuchen an der Fondation unterhielten wir uns immer wieder. Dadurch kam ich auf die Idee, Mme Alizon persönlich um ein Interview über ihre Deportation zu bitten. Sie willigte sofort ein. Ziel des Projektes war es, sich über das Schicksal eines bestimmten Deportierten zu informieren und anschließend einen kurzen Text zu produzieren. Vor dem Interview las ich Ausschnitte aus Mme Alizons Buch und schaute mir Teile ihres Zeitzeugeninterviews, das schon an der Fondation existierte, an. Das Interview hat mich persönlich sehr bewegt, da es sehr traurige und berührende Teile gab. Am Ende meines Dienstes sehe ich dieses Interview als einen der wertvollsten Teile meiner Arbeit an.

Endbemerkungen:
Knapp vor dem Ende meines Gedenkdienstes an der Fondation, bin ich mir noch einmal bewusst geworden, welch wichtige Aufgabe ich als junger Zivildienstleistender übernommen habe. Ich sehe als eine Ehre aber gleichzeitig als eine Notwendigkeit, sich über die Vergangenheit Österreichs während des nationalsozialistischen Regimes Gedanken zu machen und dadurch für die Zukunft zu lernen. Es freute mich ebenfalls ungemein, dass wir Besuch des österreichischen Botschafters seine Exzellenz Anton Prohaska an der Fondation bekamen, der uns bei unserer Arbeit unterstützt und ebenfalls ein großes Interesse aufbringt. Im Interesse der Republik Österreich, aber vor allem der Ausbildung seiner jungen Staatsbürger wurde ich mich freuen noch viele nachfolgende Gedenkdiener zu sehen.
Persönlich konnte ich, wie aus meine Bericht hervorgeht, sehr viele bewegende Erfahrungen machen. Einige davon haben sicherlich meinen Charakter geprägt und meine Weltanschauung beeinflusst. Natürlich sei an dieser Stelle auch einmal erwähnt, dass der Gedenkdienst nicht gerade eine "lustige" Arbeit ist, dennoch hat es mir sehr viel Freude bereitet mit einem engagierten und aufheiternden Team und meinem Kollegen Paul Schieder an der Fondation zusammen gearbeitet zu haben.