Bericht(e) von Christoph Treiblmayr
Juni 2000 - Januar 2001

Mai 2001 - August 2001 | September 2001 - Dezember 2001

Zeitliche Auslastung:
wöchentliche Arbeitszeit 42,5 Stunden

Tätigkeiten:

Mai 2001 - August 2001:

I. Einschulungsphase

Nach meinem Dienstantritt am Institute of Contemporary History and Wiener Library in London mit 1. Mai 2001 habe ich in einer dreiwöchigen Einschulungsphase die Abteilungen des Hauses kennengelernt, indem ich mit den MitarbeiterInnen in den einzelnen Bereichen der Bibliothek und des Archivs jeweils zwei bis drei Tage zusammengearbeitet habe. Unter der Aufsicht des leitenden Bibliothekars Colin Clarke wurden mir dabei die Aufgaben der einzelnen BibliothekarInnen und ArchivarInnen vorgestellt und ich in alle wesentlichen Arbeitsschritte eingeschult, mit denen ich in meiner Funktion als Gedenkdiener betraut bin.

Nach dieser Einarbeitung wurde meine Arbeitswoche in einen prinzipiell fixen, aber den jeweiligen Bedürfnissen flexibel anzupassenden Stundenplan eingeteilt. Während ich montags zur BesucherInnenbetreuung im Leseraum des Hauses eingeteilt bin, verbringe ich Dienstag und Donnerstag mit Katalogisierungsarbeiten. Mittwoch und Freitag schließlich bin ich mit Archivarbeiten beschäftigt.

Im Einzelnen verteilte sich meine wöchentliche Arbeitszeit nach der Einschulungsphase im oben genannten Berichtszeitraum auf folgende, im Dienstplan vertraglich festgelegte, Tätigkeiten:


II. Bibliotheksarbeit

· BesucherInnenbetreuung, Bearbeitung schriftlicher, telefonischer und per E-Mail gesandter Anfragen. Die Beaufsichtigung des Leseraumes der Wiener Library und die Betreuung von LeserInnen ist ein zentraler Aspekt meiner Tätigkeit. Neben administratorischen Tätigkeiten wie der Registrierung eines Besuchers/einer Besucherin als neuem/r LeserIn beziehungsweise der Einschreibung in ein Mitgliederverzeichnis müssen die BesucherInnen vor allem in das komplexe Klassifizierungssystem, das verwendete Computersystem "Genesis" und die Kataloge für das Zeitschriften-, das Zeitungsausschnitt-, das Video- und das Photoarchiv eingeführt werden. Da sich die von den BenutzerInnen mittels Bestellschein angeforderten Materialien zum größten Teil nicht im Leseraum befinden, müssen diese aus den Kellerräumen geholt werden. Für detaillierte bzw. spezielle Fragestellungen oder Forschungsvorhaben sind häufig für den/die LeserIn zeitaufwendige Recherchen durchzuführen. Ähnliche Recherchen sind auch immer wieder für Anfragen, die schriftlich, telefonisch oder per E-Mail aus aller Welt an die Wiener Library gestellt werden, durchzuführen. Soweit dies aus urheberrechtlichen Gründen möglich ist und sinnvoll erscheint, werden dabei auch Photokopien von Zeitungsausschnitten, Buchseiten oder Originaldokumenten versandt.

· Mithilfe beim "Retrospective Cataloguing". Die schrittweise Umstellung des Zettelkataloges auf ein digitales Verbundsystem erfordert vor- und nachbereitende Arbeiten, um deren Durchführung ich an meinen Bibliothekstagen - nach Bedarf auch an anderen Wochentagen - gebeten werde. Neben dem Entfernen von Karteikarten von bereits digital erfaßten Büchern und Pamphlets, der Kennzeichnung von Büchern als Eigentum der Wiener Library und der Bereitsstellung der von den "Retrospective CataloguerInnen" zu bearbeitenden Bücher umfassen diese Arbeiten auch einfachere Konservierungsmaßnahmen fragiler Bücher und Pamphlets. Eine meiner regelmäßigen Aufgaben im Zusammenhang mit dem "Retrospective Cataloguing" ist auch die Eingabe von neu zu klassifierenden Zeitschriftenartikeln in das Bibliothekssystem der Library.


III. Archivarbeit

· Katalogisierung und Konservierung von nicht publizierten Dokumenten. An meinen Archivtagen (wie oben ausgeführt im Regelfall Mittwoch und Freitag) bin ich mit der Aufarbeitung teilweise noch ungesichteten Archivmaterials beschäftigt. Unter der Anleitung des Archivars Howard Falksohn bin ich in einem ersten Schritt mit der Sichtung und Ordnung der Dokumente beschäftigt. Dabei sind häufig auch Konservierungsarbeiten an den Dokumenten durchzuführen, die eine archivgerechte weitere Lagerung ermöglichen.

In einem zweiten Arbeitsschritt erfolgt die Erfassung der Dokumente in einer Datenbank und die Erstellung einer Kurzbeschreibung zu jedem Dokument bzw. jeder Dokumentensammlung, die einen leichteren Zugang für künftige NutzerInnen der Materialien ermöglichen soll. Die Erstellung dieser Kurzbeschreibungen erfordert häufig umfangreiche Recherchen in den Beständen der Bibliothek und ist daher entsprechend zeitaufwendig.


IV. Weitere Tätigkeiten

· Mithilfe bei der Veranstaltung akademischer Veranstaltungen. Im Berichtszeitraum war ich bei der Organisation und administrativen Abwicklung der am 30. Mai 2001 stattfindenen Präsentation des Buches von Ronald Zweig "German reparations and the Jewish world" in den Räumen der Wiener Library behilflich.

· Projektbezogene Recherchearbeiten. In der Woche vom 23.-27. Juli 2001 war ich mit Recherchearbeiten für das von Bibliothekar Dr. Edgar Flecker betreute "Belgium Project" (ein Forschungsprojekt zu belgischen jüdischen Widerstandsgruppen) in den Beständen der Wiener Library beschäftigt.

· Übersetzungsarbeiten. In unregelmäßigen Abständen fertigte ich Übersetzungen von englischen Briefen ins Deutsche bzw. von deutschen Zeitungsartikeln und Dokumenten ins Englische an.

· Bürotätigkeiten. Neben den zuvor beschriebenen Aufgaben verrichtete ich im Berichtszeitraum eine Reihe von administrativen Tätigkeiten: Telefon- und Rezeptionsdienst (Urlaubs- und Krankenstandsvertretungen), Kopieren, Abfassen von Briefen, Rechnungslegungen (Recherchegebühren), Internetrecherchen, etc.


V. Abschließende Bemerkungen

Die ersten Monate meines Gedenkdienstes am Institute of Contemporary History and Wiener Library waren trotz der Probleme, die sich aus der finanziell schwierigen Situation eines Auslandszivildienstes ergeben, eine wertvolle Erfahrung für mich und ich konnte einen Einblick in die verschiedenen Abteilungen und Tätigkeiten des Instituts gewinnen.

Besonders interessant und gewinnbringend war es für mich, die in meinem Geschichtestudium erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten in die Arbeit des Instituts einzubringen. Vor allem aber war der persönliche Kontakt mit den im Haus als VoluntärInnen arbeitenden ZeitzeugInnen und den am Institut arbeitenden WissenschaftlerInnen eine wertvolle Bereicherung für mich. Die ausschließlich positiven Rückmeldungen, die ich auf meine Arbeit hier erfahren habe, haben erneut bestätigt, wie wichtig und sinnvoll der Gedenkdienst an einer Holocaust-Einrichtung ist.

September 2001 - Dezember 2001:

I. Vorbemerkungen

Die in meinem ersten Tätigkeitsbericht ausgeführte Einteilung meiner wöchentlichen Arbeitszeit in einen fixen Wochenplan ist auch im oben genannten Berichtszeitraum im wesentlichen beibehalten wurden (Montag BesucherInnenbetreuung im Leseraum des Hauses, Dienstag und Donnerstag Katalogisierungsarbeiten, Mittwoch und Freitag Archiv). Aufgrund zahlreicher Urlaubsvertretungen in der BesucherInnenbetreuung und meiner Mitwirkung an der Vorbereitung und Durchführung der Herbstvorlesungsreihe der Wiener Library wurde jedoch des öfteren auch von dieser Einteilung abgewichen.


Im Einzelnen verteilte sich meine wöchentliche Arbeitszeit auf folgende, im Dienstplan vertraglich festgelegte, Tätigkeiten:


II. Bibliotheksarbeit

· BesucherInnenbetreuung, Bearbeitung schriftlicher, telefonischer und per E-Mail gesandter Anfragen. Die Beaufsichtigung des Leseraumes der Wiener Library und die Betreuung von LeserInnen war auch im vorliegenden Berichtszeitraum ein zentraler Aspekt meiner Tätigkeit. Wie in meinem ersten Taetigkeitsbericht vom 31. August ausgeführt, muessen dabei neben administratorischen Tätigkeiten - wie der Registrierung eines Besuchers/einer Besucherin als neuem/r LeserIn beziehungsweise der Einschreibung in ein Mitgliederverzeichnis - die BesucherInnen vor allem in das komplexe Klassifizierungssystem, das verwendete Computersystem "Genesis" und die Kataloge für das Zeitschriften-, das Zeitungsausschnitt-, das Video- und das Photoarchiv eingeführt werden. Da sich die von den BenutzerInnen mittels Bestellschein angeforderten Materialien zum größten Teil nicht im Leseraum befinden, müssen diese aus den Kellerräumen beigebracht werden. Für detaillierte bzw. spezielle Fragestellungen oder Forschungsvorhaben waren häufig für den/die LeserIn zeitaufwendige Recherchen durchzuführen. Ähnliche Recherchen waren auch immer wieder für Anfragen, die schriftlich, telefonisch oder per E-Mail aus aller Welt an die Wiener Library gestellt wurden, durchzuführen. In mehreren Faellen habe ich dabei - soweit dies aus urheberrechtlichen Gründen möglich und nach meinem Ermessen sinnvoll war - auch Photokopien von Zeitungsausschnitten, Buchseiten oder Originaldokumenten an WissenschaftlerInnen, JournalistInnen, Institutionen aber auch Privatpersonen versandt.

· Mithilfe beim "Retrospective Cataloguing". Neben dem Entfernen von Karteikarten von bereits digital erfaßten Büchern und Pamphlets aus dem Zettelkatalog, der Kennzeichnung von Büchern als Eigentum der Wiener Library und der Bereitsstellung der von den "Retrospective CataloguerInnen" zu bearbeitenden Bücher umfassten diese Arbeiten auch einfachere Konservierungsmaßnahmen fragiler Bücher und Pamphlets. Die Eingabe von neu zu klassifierenden Zeitschriftenartikeln in das Bibliothekssystem der Library war eine weitere Aufgabe in diesem Zusammenhang.
III. Archivarbeit

· Katalogisierung und Konservierung von nicht publizierten Dokumenten. An meinen Archivtagen war ich im Berichtszeitraum weiterhin mit der Aufarbeitung teilweise noch ungesichteten Archivmaterials beschäftigt. Neben der Sichtung und Ordnung der Dokumente und Konservierungsarbeiten, die eine archivgerechte weitere Lagerung der Dokumente ermöglichen, war es in diesem Zusammenhang eine meiner Aufgaben, Bestandsverzeichnisse mit einer Kurzbeschreibung zu jedem Dokument bzw. jeder Dokumentensammlung zu erstellen, die einen leichteren Zugang für künftige NutzerInnen der Materialien ermöglichen sollen. Die Erstellung dieser Kurzbeschreibungen erforderte häufig umfangreiche Recherchen in den Beständen der Bibliothek beziehungsweise Anfragen bei anderen Forschungseinrichtungen und Institutionen und war daher in zahlreichen Faellen entsprechend zeitaufwendig.


IV. Mitarbeit bei der Organisation akademischer Veranstaltungen

Im Berichtszeitraum war ich an der Organisation und Durchführung sieben akadamischer Vorträge sowie einer wissenschaftlichen Konferenz beteiligt. Meine Mithilfe umfaßte v.a. die Vorbereitung der Räumlichkeiten, den Empfang der Gäste, die Beaufsichtigung der Veranstaltungen sowie administratorische Arbeiten im Vor- und Nachfeld. Im Einzelnen handelte es dabei um folgende Veranstaltungen:

· Konferenz: "Towards Normality?" Patterns of Assimilation and Acculturation within German-speaking Jewry. Conference at Claire College, Cambridge, 9-13. September 2001

· Wiener Library Autumn Lecture Series:
1 Dr. Amy Gottlieb: Emigration of Jewish Displaced Persons in the Post-War Period, 10 October 2001
2 Dr. Donald Bloxham: Genocide on trial. The War Crimes Trials in the formation of Holocaust history and memory, 17 October 2001
3 Professor Paul Weindling: The Survivor as Witness. German medical war crimes and allied trials, 24 October 2001
4 Professor John Klier: Holocaust Memorialisation in Post-Communist Russia, 31 Ocotober 2001
5 Terry Charman: Swing under the Swastika. Nazi policy towards jazz and swing music and the fate of the Dutch swing musicians Johnny and Jones, 7 November 2001
6 Monica Lowenberg: "Be a good Jewish child and make sure you learn something". The educational experiences of German-Jewish children in Nazi Germany and Great Britain 1933-1945, 14 November 2001
7 Dr. Sue Vice: The Holocaust ">>from below". Children's-eye perspectives of the Holocaust, 21. November 2001


V. Weitere Tätigkeiten

· Mitarbeit bei der Erstellung der "Wiener Library News. The Newsletter of the Institute of Contemporary History and Wiener Library". Für die im Herbst 2001 erschienene 38. Nummer des Newsletters habe ich einen Artikel über das Projekt Gedenkdienst und meine Arbeit als Gedenkdiener an der Wiener Library (Seite 2), einen "Progress Report" über den Stand des von der National Lottery finanzierten Improvement-Programms (Seite 3) und eine Buchrezension des Buches von Margit Reiter: Unter Antisemitismus-Verdacht: die österreichische Linke und Israel nach der Shoah. Innsbruck: Studien-Verlag 2001 (Seite 5) verfaßt. Gemeinsam mit Direktor Barkow, dem Herausgeber des Newsletters, war ich auch bei der Auswahl der abgedruckten Archivbilder (White Russian antisemitic postcards, Seite 4) beteiligt.

· Übersetzungsarbeiten. In unregelmäßigen Abständen fertigte ich Übersetzungen von englischen Briefen ins Deutsche bzw. von deutschen Zeitungsartikeln und Dokumenten ins Englische an.

· Mithilfe bei der konzeptionellen Gestaltung einer Database. Bei der Gestaltung einer Bibliotheksdatenbank konnte ich mit konzeptionellen Hinweisen und Verbesserungsvorschlägen behilflich sein.

· Durchführung eines Oral History Interviews. Für das Internet-ZeitzeugInnenprojekt meiner Entsendeorganisation führten Peter Stadlbauer vom National Yad Vashem Charitable Trust, London und ich am 9. Oktober 2001 (11 bis 13 Uhr) in den Räumen der Wiener Library ein Interview mit dem 1939 aus Österreich emigrierten Martin Goldenberg, der wesentlich an der Organisation und Durchführung der "Kindertransporte" nach Grossbritannien beteiligt war und seit mehreren Jahren als Voluntär an der Wiener Library arbeitet. Das Interview wurde auf Tonband aufgezeichnet und transkribiert. Eine Kopie der Transkription befindet sich bereits im Archiv der Wiener Library, die Veroeffentlichung auf www.gedenkdienst.org ist in Vorbereitung.

· Bürotätigkeiten. Neben den zuvor beschriebenen Aufgaben verrichtete ich im Berichtszeitraum eine Reihe von administrativen Tätigkeiten: Telefon- und Rezeptionsdienst (Urlaubs- und Krankenstandsvertretungen), Kopieren, Abfassen von Briefen, Rechnungslegungen (Recherchegebühren), Internetrecherchen, etc.


VI. Abschließende Bemerkungen

Die in meinem ersten Tätigkeitsbericht vom 31. August d.J. getroffenen positiven Einschätzungen meines Auslandszivildienstes am Institute of Contemporary History and Wiener Library in London haben sich auch in den folgenden Monaten meiner Arbeit hier uneingeschränkt bestätigt. Vor allem der Artikel im Newsletter der Wiener Library, mein Einsatz in der BesucherInnenbetreuung im Leseraum des Hauses und bei den akademischen Veranstaltungen der Wiener Library haben mir zahlreiche Gelegenheiten gegeben, über meine Arbeit am Institut und das Projekt Gedenkdienst insgesamt zu informieren. Das große Interesse und die ausschließlich zustimmenden Rückmeldungen, die ich dabei erfahren haben, haben mich in meiner Einschätzung ebenso bestärkt wie das Schreiben, in dem Direktor Barkow am 22. Oktober d.J. Bundespräsident Dr. Klestil seiner besonderen Wertschätzung des Projekts Ausdruck verliehen und sich mit der Bitte an ihn gewandt hat, sich für den Gedenkdienst in Anbetracht der schwierigen Situation des Auslandszivildienstes einzusetzen.