Bericht(e) von Thomas Fürhaupter
Juni 2000 - Januar 2001

Juni 2000 - September 2000 | Oktober 2000 - Januar 2001

Zeitliche Auslastung:
Die woechentliche Arbeitszeit betraegt 42,5 Stunden.
Die Wiener Library ist Bibliothek und Archiv zugleich. Sie sammelt Dokumente, Zeitschriften, Zeitungsausschnitte, TV-Dokumentationen zu den Themen Nationalsozialismus, Neonationalsozialismus, faschistischen, xenophoben, rechtsextremen und fremdenfeindlichen Bewegungen und Parteien. Die Wiener Library sammelt auch Zeugnisse des Widerstandes.

Tätigkeiten:

Juni 2000 - September 2000:

Ein Teil meiner Arbeit besteht in der Erstellung eines Index von Zeitungsartikeln aus deutschen und oesterreichischen Printmedien der Jahre 1945 bis 1955. Man findet darin vor allem Meldungen ueber Kriegsverbrecherprozesse, ungenuegende Denazifizierung, Verdraengung und Wiederholung der Vergangenheit, neonazistischen Bewegungen und Parteigruendungen, Wiedereingliederung nationalsozialistischer Personen in die Staatsapparate, die Verbreitung revisionistischen Gedankengutes, die Rolle der Justiz in der Verharmlosung des Nationalsozialismus usw.

Eine andere Aufgabe besteht in der Katalogisierung von Videoaufnahmen. Die Videosektion der Wiener Library nimmt regelmaessig Dokumentationen, die vorwiegend im britischen Fernsehen gesendet wurden, auf. Altmodische Datentraeger, wie etwa Kaertchen oder andere antiquierte Traegersysteme, werden auf digitale Medien überspielt. Diese Konformierung der verschiedenen Datentraeger soll den Nutzern das Leben leichter machen.

Am 11.06. veranstaltete die Wiener Library in Zusammenarbeit mit dem Austrian Cultural Institute, der Association Of Jewish Refugees und der Second Generation Trust einen Vortrags- und Diskussionsabend mit dem Thema: "Another Country? Austria from Past to Present". Es wurde nach Gruenden fuer den Aufstieg einer rechtspopulistischen Partei gefragt, die bilateralen Sanktionen der EU-14 diskutiert usw. Meine Aufgabe bestand in der Mithilfe der Organisation und dem reibungslosen Ablauf der Veranstaltung.

Ich beantwortete Anfragen, zum Beispiel über das Vorhandensein bestimmter Bücher oder nach den Beständen der Library zu bestimmten Themen. Andere Fragen waren eher technischer Natur: Wann hat die Library geoeffnet? Wieviel kostet eine Mitgliedschaft? Gibt es Mitgliedschaften zu ermäßigten Beiträgen? Darf man die Library auch besuchen, wenn man kein Mitglied ist?

Der Leseraum muss beaufsichtigt, telefonische Anfragen müssen beantwortet werden. Bücher und andere Materialien müssen gesucht und den Besucherinnen und Besuchern ausgehaendigt werden. Die Besucherinnen und Besucher muessen in das komplexe Katalogisierungssystem eingefuehrt werden. Allgemeine Fragen sollen fachkundig beantwortet werden.

Auch die im englischen Sprachraum so genannten "periodicals" mussten sortiert werden, da sie im laufe der Zeit aus ihrer alphabetischen Ordnung geraten waren. Dabei wurde auch der Bestand auf Vollständigkeit untersucht und ein Katalog erstellt, was auch den Suchbehelfen im Lesesaal zugute kam.

Philipp Manes verbrachte mehrer Jahre seines Lebens in Theresienstadt. Er hat hunderte Seiten geschrieben und dabei persoenliche Erfahrungen aufgezeichnet. Um diese Dokumente vor dem Verfall zu schuetzen, wurden sie mikrogefilmt, wofür ich Titelseiten erstellte, um die Navigation
zu erleichtern.

Ich uebersetze Briefe vom Englischen ins Deutsche.

Manchmal war nach für die Bibliothek relevanten Themen im Internet zu recherchieren. Die Fundergebnisse waren auszudrucken und in die Bestände der Bibliothek einzugliedern.

Oktober 2000 - Januar 2001:

1. In unregelmaessigen Intervallen gibt die Wiener Library einen Newsletter heraus, im dem Themenbereiche rund um den Holocaust behandelt werden. Ich durfte einen Artikel verfassen, der zwei Ausstellungsstuecke zweier Austellungen in London behandelte: Das Auschwitz-Modell in der Ausstellung "Holocaust" im Imperial War Museum und das Kunstwerk "Hell" in der Ausstellung "Apocalypse - Beauty and Horror in Contemporary Art" in der Royal Academy. Sowohl das Ausschwitz-Modell, ein massstabgetreues Modell des KZ Auschwitz als auch das furchteinfloessende Kunstwerk "Hell" von Jake und Dinos Chapman nehmen Bezug auf den Holocaust, allerdings in sehr unterschiedlicher Weise. Das Auschwitz Modell soll Teil einer
Geschichtsrepraesentation sein, Hell thematisiert den Holocaust eher als Metapher des Horrors.

2.
Es war eine meiner Aufgaben, Vorarbeiten für die Umstellung des Katalogsystems von analog auf digital zu leisten. Dabei ist es wichtig, den analogen Katalog zu prüfen und obsolet gewordene Einträge zu entfernen, um Redundanzen zu vermeiden. Dies beschleunigt auch die
nachfolgende Dateneingabe, da nur mehr einmalige Einträge erstellt werden müssen.

3.
Wiederholt konnte ich Kollegen und Kolleginnen bei der Benutzung der Computersysteme in der Library helfen, was bald eine meiner ständigen Aufgaben wurde.

4.
Erstmals in der Geschichte Englands fand am 27.01.2001 der Holocaust Memorial Day statt. Die Wiener Library hat dazu unterschiedliche Gaeste in die Raeumlichkeiten der Bibliothek geladen: Kuenstler, Journalisten, Schriftsteller etc. Der Wiener Library ging es vor allem darum, jene Personen anzusprechen, die einen kreativen Umgang mit den Bestaenden der Library pflegen. Die Wiener Library hat auch selbst eine kleine Ausstellung konzipiert, vor allem Fotos aus den
reichhaltigen Bestaenden der Library wurden dafuer verwendet. Ich durfte bei der Realisierung mithelfen, Fotos reproduzieren, das Layout mitgestalten, Planen vorbereitet, Graphiken erstellt und die Veranstaltung videogefilmt. Am Sonntag fanden dann zwei Vortraege in der Library statt, Peter Pulzer sprach darueber, woran wir uns erinnern koennten, Peter Longerich reflektierte ueber
Holocaustforschung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und ich nahm das alles auf Tonband auf.