Bericht(e) von Bernhard Diwald
Oktober 1998 - August 1999

Oktober 1998 | November 1998 | Dezember 1998 | Januar 1999 | Februar 1999 | März 1999 | April 1999 | Mai 1999 | Juni 1999 | Juli 1999 | August 1999

Zeitliche Auslastung:
Ich habe meinen Gedenkdienst an der Wiener Library am 1. Oktober 1998 angetreten. Entsprechend den zuvor getroffenen Vereinbarungen wurde ich im Verlaufe des ersten Monats in verschiedene Taetigkeitsbereichte eingewiesen.
Die woechentliche Arbeitszeit betraegt 42,5 Stunden

Tätigkeiten:

Oktober 1998:

Um einen ersten Eindruck von den umfangreichen Bestaenden zu bekommen und die dahinterstehende Organisation kennenzulernen, war ich waehrend der ersten vier Wochen, gemeinsam mit einem Bibliothekar, damit beschaeftigt, Buecher, Dokumente und andere Materialien auszuheben, bzw. nach deren Lektuere wieder ins Archiv zurueckzubringen.
Die Bestaende der Bibliothek sind im allgemeinen folgenden Themen zuzuordnen:

Moderne juedische Geschichte
Judentum und Mittlerer Ostern
Rassismus und Faschismus
Antisemitismus
Erster Weltkrieg
Weimarer Republik
Machtergreifung der NSDAP
Das Dritte Reich
Zweiter Weltkrieg
Holocaust
Nachkriegs-Deutschland und Wiedervereinigung
Kalter Krieg

Ob der umfangreichen Bestaende wird es wohl einige Zeit dauern, bis aus einem groben Ueberblick ein Wissen um die Bestaende entsteht. Besonders kompliziert erscheint eine Orientierung in der Dokumenten-Abteilung. Dort gestaltet sich die Suche nach den vielfach original vorhandenen Titel besonders schwierig.
Eine weitere Aufgabe in Sachen Einfuehrung in die Bibliotheksbestaende war die Archivierung neu angelieferter Materialien fuer das Zeitschriftendepot.
Abgesehen von diesen Taetigkeiten bekam ich eine erste Einfuehrung in Sachen Beantwortung von schriftlichen wie muendlichen Anfragen. Dazu war es in einigen Faellen erforderlich, kleinere Recherchen im Haus durchzufuehren und die Ergebnisse den Fragestellern, zumeist schriftlich, mitzuteilen.
Im Rahmen der genannten Taetigkeiten entsteht haeufig Kontakt mit den Volontaeren. Diese zumeist aelteren Menschen arbeiten unentgeltlich fuer die Wiener Library. Sie sind zumeist vor dem NS-Regime gefluechtet und haben oft juedische Wurzeln. Diese Kontakte schaetze ich besonders, denn die Berichte dieser Zeitzeugen ermoeglichen mir ein besseres Verstaendnis dieses Zeitabschnittes. Umgekehrt habe ich die Moeglichkeit, ueber die derzeitigen (politischen) Verhaeltnisse in Oesterreich zu berichten.

Arbeitszeit:
Ich arbeite taeglich (von Montag bis Freitag) von 9.00 bis 17.30 Uhr - unterbrochen von einer Stunde Mittagspause.
Zusaetzlich an zwei Abenden von 18.00 bis 20.30 Uhr. Waehrend dieser Zeit werden in aller Regel die von den Lesern konsultierten Materialien an ihre Plaetze zurueckgebracht.
Ende Oktober organisierte die Wiener Library eine Ausstellung, die and der Royal Academy of Art gezeitgt wurde und den Zweck eines fund-raising verfolgte. Deshalb wurde ein Gutteil dieser Zeit fuer die Organisation dieser Veranstaltung aufgewandt.

November 1998:

Wie schon im Vormonat Oktober wurde ich weiterhin von einem Bibliothekar eingeschult.
Darueber hinaus wurde ich auch in die Arbeit des hauseigenen Fotoarchives eingewiesen. Auch dort sind die Bestaende beeindruckend. Leider ist es aber ausgesprochen schwierig, einen Ueberblick ueber die Bestaende zu gewinnen, nicht zuletzt deswegen, weil die derzeitige Organisation des Materials eine provisorische ist. Es wird derzeit an der Anschaffung der noetigen Soft- und Hardware zur elektronischen Archivierung gearbeitet. Dies soll zum einen eine bessere Verwaltung und Konservierung ermoeglichen, langfristig ist daran gedacht, die Bilder via Internet zugaenglich zu machen. Das Archiv wird von Lesern, aber auch von Journalisten benuetzt. Zumeist wird nach konkreten Anfragen geeignetes Material zur Dokumentation verschiedenster Begebenheiten ausgehoben und weitergeleitet. Haeufig ist es auch notwendig, Abzuege anzufertigen, die dann weitergereicht werden.

Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Auswertung eines Namenskataloges der Opfer des Konzentrationslagers Mauthausen. Hierfuer habe ich eine Datenbank errichtet, die eine effizientere Suche nach vermissten Personen erlauben sollte. Sodann war ich damit beschaeftigt, die Daten einzugeben. Nach intensiven Arbeiten an diesem Projekt hat eine Recherche ergeben, dass die Republik Oesterreich derzeit an einem aehnlichen Projekt arbeitet. Deshalb wurde diese Arbeit bis auf weiteres zurueckgestellt.
Schliesslich organisierte die Wiener Library im November einige Abendveranstaltungen, an deren teils umfangreichen Vorbereitungen und Durchfuehrungen ich ebenso miteinbezogen wurde (administrative Vorarbeiten, Rezeptionsdienst, Registrierung der Gaeste, Kartenausgabe, Betreuung der Verstaerkeranlage, etc.):

9. November 1998:
60th Anniversary of Kristallnacht W. Kaczynski/F. Knoller
19. November 1998:
Britain and Refugees Dr. Jo Reilly, u. a.
26. November 1998:
Tradition, Contorversy and Progression of Knowledge (…) F. Rayard
Abgesehen von der Veranstaltung am 19. November, sie wurde gemeinsam mit der Belsize Square Synagogue ausgerichtet, fanden die Veranstaltungen in der Wiener Library statt.
Darueber hinaus wurde am 17. November 1998 ein eintaegiges Seminar zum Thema Gender, Rauma and Dreativity organisiert. Auch dabei assistierte ich den Organisatoren. Durch diese Veranstaltungen sind eine Reihe von Ueberstunden entstanden. Es wurde vereinbart, diese zu einem spaeteren Zeitpunkt abzubauen.
Willkommene Abwechslungen waren eine Buchpraesentation des Direktors der Wiener Library im House of Commons und eine weitere, die in der Wiener Library stattgefunden hat.

Dezember 1998:

Ich arbeitete im Dezember in jenen Bereichen, in die ich waehrend der beiden Vormonate eingeschult wurde. Daruber hinaus wurde das Einschulungsprogramm abgeschlossen, in dem ich in die Behandlung von fragilen Materialien eingewiesen wurde. Dies sind vor allem Originalausgaben von Zeitungen, die teilweise aus den 1930er und 1940er Jahren stammen. Diese Materialien werden liegend und in speziellen Mappen gelagert. Kompliziertere Konservierungsarbeiten werden allerdings ausser Haus durchgefuehrt.
Darueber hinaus habe ich, je nach Erfordernis, entweder Datenbanken oder Handlisten erstellt. Damit ist ein raschere Lokalisierung gegeben und eine einfachere Archivierung von Materialien erreicht.
Abgesehen davon schrieb ich an einem kurzen Artikel ueber die Invasion in Polen. Er war fuer das Journal of Holocaust Education bestimmt.
Eine weitere Taetigkeit hat sich im Bereich des Recherchierens ergeben.
Meine Aufgabe im Rahmen dieses langfristigen Projekts ist das Auffinden von Homepages von Museen, Instituten etc., die sich im selben Forschungsfeld wie die Wiener Library betaetigen. Andererseits will man einen Ueberblick ueber die Publikationen von rechtsextremen Organisationen gewinnen. Die Ergebnisse beider Recherchen sollen nach Abschluss des Projektes den Lesern der Wiener Library zugaenglich gemacht werden.
Damit war im Dezember die Phase meiner Einschulung an der Wiener Library abgeschlossen. Die verschiedenen Taetigkeiten wurden enstrechend ihrer Dringlichkeit erledigt. Dadurch ergibt sich ein flexibler Tages- und Wochenablauf. Aufgrund der vielen verschiedenen Dinge, die zu erledigen sind, gestaltet sich der Gedenkdienst an der Wiener Library interessant und wird durch die vielfachen Kontakte mit Lesern, Volontaeren, Studenten und Forschern bereichert.

In diesem Monat fand nur eine Abendveranstaltung statt. Robin O'Neil sprach zum Thema "Belzec: The Emergence of Genocide in the Galician District".

Ueberstunden sind aber dennoch entstanden; und zwar durch die Organisation der Verteilung des Newsletters, einer Publikation der Wiener Library, die zumeist zweimal jaehrlich erscheint. Ausserdem wurde ich mehr und mehr in die Vorbereitung der Veranstaltungsreihe "The Holocaust in History" eingebunden, die von Dr. Jo Reilly von der Wiener Library geleitet wird.

Januar 1999:

Vom 4. Jaenner bis zum 30. Jaenner hatte ich Urlaub.

Februar 1999:

Bis zum 10. Februar 1999 habe ich meine Ueberstunden abgebaut und war in Oesterreich. Die Wiener Library hat mir waehrenddessen den Auftrag gegeben, in Oesterreich Literaturrecherchen durchzufuehren. Zum einen wurde ich gebeten, Materialien ueber das Leben an Schulen und Universitaeten waehrend der NS-Zeit zu besorgen, um diese Informationen in einer Anne-Frank-Ausstellung zu verwenden, die speziell auf Schulen und Universitaeten abgestimmt ist und in England gezeigt wird. Die Basis ist uebrigens jene Anne-Frank-Ausstellung, die bereits in Wien gezeigt wurde. Man erhoffte sich vor Ort eine bessere Quellenlage.
Andererseits suchte ich nach allgemeinen Monographien zu den Themen der Wiener Library, mit dem Ziel, Quellen ausfindig zu machen, um die die Bestaende der Wiener Library ergaenzt werden koennten. Diese Recherchen habe ich vor allem an den Bibliotheken der Universitaeten Salzburg und Linz durchgefuehrt. Mit dem Ergebnis dieser Arbeiten kam ich am 20. Feber 1999 nach London zurueck.
Bis zum Ende des Monats war ich in all jenen Bereichen taetig, in die ich zuvor eingeschult wurde.

März 1999:

Ich erledigte im Verlaufe dieses Monats die Taetigkeiten, in die ich waehrend der Monate zuvor eingeschult wurde. Es wurde mir uebertragen, Anfragen zu beantworten und gegebenenfalls die noetigen Recherchen durchzufuehren. Dies bedingte manchmal die Kontaktaufnahme mit Botschaften anderer Laender. So habe ich mich im Zuge meiner Recherchen an die Schweizerische oder Deutsche Botschaft gewandt, um die noetigen Informationen zu sammeln. Ausserdem sind oft Recherchen im hauseigenen Fotoarchiv notwendig.
Da ich nunmehr ueber einen ausreichenden Ueberblick ueber die Bestaende der Bibliothek verfuege, ist es mir nun moeglich, auch die Leser direkt zu bedienen und bei ihrer Suche zu unterstuetzen. Daher bin ich immer wieder als Bibliothekar im Leseraum taetig. Weiterhin ist es regelmaessig meine Aufgabe, fragile Materialien einer dementsprechenden Behandlung zuzufuehren.
Die Recherchen im Internet werden ebenfalls weiter durchgefuehrt.

Ein neuer Schwerpunkt meiner Arbeit hat sich im Rahmen des Katalogisierens ergeben. Dabei werden nicht nur neue Ankaeufe elektronisch erfasst, sondern der gesamte Bestand. Mir faellt dabei zumeist die Aufgabe zu, die zu katalogisierenden Buecher auszuheben und zum zustaendigen Bibliothekar zu transportieren. Gegebenenfalls sind hinterher (nun nicht mehr notwendige) Karten aus den jeweiligen Katalogen zu ziehen. Jedenfalls muessen die Buecher hinterher an ihren Platz zurueckgebracht werden. Die Katalogisierung des gesamten Bestandes wird einige Jahre in Anspruch nehmen.

Ausserdem haben in diesem Monat wieder zwei Abendveranstaltungen stattgefunden, an deren Vorbereitung und Durchfuehrung ich beteiligt war:

3. Maerz 1999:
Art in Extremismus:Creativity in the Holocaust (Monica Bohm-Duchen)
18. Maerz 1999:
In the sight of the FBI: German exile writers in the files of the American secret service (Prof. A. Stephan)

April 1999:

Neben den Taetigkeiten, die zu meinem Aufgabenbereich zaehlen - Beantwortung von Anfragen, Bibliothekarsdienst, Archivierungsarbeiten und Behandlung fragiler Materialien etc - hat sich in diesem Monat ein weiterer Schwerpunkt ergeben: Die Familie Manes hat der Wiener Library die Aufzeichnungen von Philip Manes zur Verfuegung gestellt.
Zunaechst wurde die mehr als 10.000 Seiten umfassende Sammlung von den Bibliothekaren gesichtet und kommentiert. Da sich die vielfach handschriftlichen Originaldokumente in einem schlechten Zustand befinden, werden die wesentlichen Dokumente nun fuer eine Mikroverfilmung vorbereitet. Damit kann die Sammlung, sie dokumentiert den Werdegang und den tragischen Tod des Philip Manes im Konzentrationslager Auschwitz, auch den Lesern zugaenglich gemacht werden. Nachdem also eine erste Selektion des Materials stattgefunden hat, muessen nun Titelseiten angefertigt werde, um den Lesern die Suche nach einzelnen, verfilmten Dokumenten zu erleichtern. Dies ist im Zuge dieses Projektes meine Hauptaufgabe.

Eine weitere, neue Aufgabe, wenngleich weniger zeitintensiv, ist die Einschulung von Volontaeren der Wiener Library auf Textverarbeitungsprogrammen. Dies soll ihnen die Moeglichkeit geben, Schriftstuecke nunmehr auf dem Computer zu verfassen.

In diesem Monat fand zwar nur eine Abendveranstaltung statt; Frau Prof. Elenore J. Weitzman sprach am 29. April zum Thema "Women in the Holocaust". Wie gewoehnlich war ich wieder in Vorbereitung und Durchfuehrung eingebunden. Andererseits aber laufen die Vorbereitungen der Abendveranstaltungen fuer den Monat Mai bereits. Es wird im naechsten Monat fuenf derartiger Veranstaltungen geben. Wie schon in einem anderen Bericht angesprochen, werden die Arbeiten entsprechend ihrer Dringlichkeit erledigt. Es ist daher nicht moeglich, einen expliziten Zeitplan aufzustellen, der festlegen wuerde, wann welche Arbeit zu erledigen ist.

Mai 1999:

Wie in den Berichten ueber die vorangegangenen Monate bereits erwaehnt, hat sich nach der Phase der Einschulung an der Wiener Library eine stetige Ausdehnenung meines Taetigkeitsbereiches ergeben. Derzeit kann dieser wie folgt zusammengefasst werden:

Behandlung von schriftlichen und muendlichen Anfragen, Durchfuehrung der damit verbundenen Recherchen (manchmal auch an anderen Instituten, z. B. German Historical Insititute)
Vorarbeiten zur Katalogisierung des Biblitoheksbestandes
Bibliotheksdienst (Unterstuetzung der Leser bei ihrer Literatursuche, Ausheben der Materialien)
Aufbereitung der Manes-Dokumente zur Mikroverfilmung
Computer-Einschulung fuer Volontaere
Mitarbeit bei der Organisation und Durchfuehrung von (Abend)Veranstaltungen
Fuer den Mai 1999 ist festzuhalten, dass sich der Zeitaufwand fuer die Einschulung auf Textverarbeitungsprogrammen erhoeht hat.
Weiters habe ich wieder zwei neue Taetigkeiten verrichtet. So war ich an der Erstellung des Layouts des Newsletters, einer zumeist zweimal jaehrlich erscheinenden Publikation der Wiener Library, beteiligt. Ausserdem steht die Produktion des Journal of Holocaust Education an. Auch daran wurde ich beteiligt, etwa formatierte ich die von den Autoren zugesandten Texte. Dies wird jedoch keine permanente Taetigkeit sein, da die genannten Publikationen nur zweimal im Jahr erscheinen.
Nach mehreren Anschlaegen auf Minderheiten befuerchtete die Wiener Library ob ihrer Verbindungen zur juedischen Gemeinde, selbst Opfer eines Anschlages zu werden. Deshalb wurde die Rezeption in den ersten Wochen des Monats Mai waehrend der gesamten Oeffnungszeit der Bibliothek besetzt, was sonst nicht unbedingt der Fall ist.
Auch ich wurde zu dieser Arbeit herangezogen. Dabei sind vor allem die Telefonzentrale zu bedienen, gegebenenfalls werden Auskuenfte direkt gegeben.
Nachdem sich keine weiteren Anschlaege ereignet haben, wurde ich in der Mai-Woche nurmehr als Vertretung in dringenden Faellen an der Rezeption eingesetzt.

Dieses Monat habe die folgenden Veranstaltungen stattgefunden, an derern Organisation und Durchfuehrung ich auf die uebliche Weise beteiligt war (Rezeptionsdienst, technische Vorbereitung, Registrierung der Besucher, Ticketausgabe, etc):

5.5.1999
Schizophrenia and Ambivlaence: Western Society and Genocide at the Millenium
Dr. Mark Levene
9.5.1999
The Formation of a Refugee Commity Identity: 'AJR Information', 1946-1950
Dr. Anthony Grenville
12.5.1999
The Jew in English Literature: Beyound Antisemitism
Dr. Bryan Cheyette
13.5.1999
Countering fascism in Cyberspace
Ken McVay
18.5.1999
The Uncanny Arts of Memorial Architecture: Daniel Libeskind's Design for the Jewish Museum in Berlin
Prof. James E. Young
Weil der Arbeitsaufwand in diesem Monat generell nicht so hoch war, ist es gelungen, beinahe die gesamten mit den Veranstaltungen zusammenhaengenden Arbeiten waehrend der regulaeren Arbeitszeit zu erledigen. Lediglich die Veranstaltung von Dr. Grenville, sie fand an einem Sonntag nachmittag statt, fiel nicht in die Arbeitszeit. Diese Veranstaltung wurde uebrigens im Hoersaal einer nahegelegenen Universitaet durchgefuehrt, weil es derart viele Interessenten gab, dass sie in der Wiener Library nicht untergebracht haetten koennen. Die Leseraum der Wiener Library koennen etwa 50 Zuhoerer untergebracht werden. Diese Veranstaltungen werden im Rahmen des Jubilaeums des 60jaehrigen Bestehens der Wiener Library in London organisiert.
Die erste Veranstaltungsreihe ist nunmehr abgeschlossen. Ueber die Sommermonate gibt es eine Pause.

Juni 1999:

Ab dem 1. September 1999 war die "Wiener Library" fuer Leser wieder zugaenglich. Dadurch machte ich erstmals Bekanntschaft mit den verschiedenen Anfragen, die sich so im Laufe eines Tages ergeben. Einerseits beobachtete ich die Bibliothekare, die gerade Dienst hatten, um spaeter selbst diese Arbeit uebernehmen zu koennen, andererseits wurde ich schon mit eigenen Anfragen anvertraut.

Hauptsaechlich war ich allerdings mit der Uebersetzung des Vorwortes des Buches "Deportationsbuch der in den Jahren 1942 bis 1945 von Leipzig aus gewaltsam verschickten Juden" von Adolf Diamant, beschaeftigt. Dieses Buch beinhaltet eine Liste von 2,557 deportierten Juden.

Zwei weitere Aufgaben waren die Bestaende zu ueberpruefen und die Unterstuetzung eines Bibliothekars beim "Retrospective cataloging". Von Zeit zu Zeit habe ich auch, gemeinsam mit Bernhard Diwald, im Archiv gearbeitet. Dort waren wir mit der Einlagerung von Dokumenten, die wegen der Renovierung der Buecherei zuvor ausgelagert wurden, beschaeftigt.

Am Ende des Monats September wurde mir eine neue Arbeit zugeteilt: ich war eine laengere Zeit mit der Archivierung von Pamphleten beschaeftigt, damit ihr Erhalt auch in Zukunft sichergestellt werden kann. Diese Arbeit wird mich auch im Oktober noch laenger in Anspruch nehmen.

Juli 1999:

Im Monat Juli hat sich kein neues Aufgabenfeld ergeben, abgesehen von den Vorarbeiten zur Umlagerung der Bestaende der Bibliothek. Daher war ich in den letzten Tagen dieses Monats beschaeftigt, Behaelter fuer den Transport und die Lagerung der Buecher vorzubereiten und an den vorgegebenen Stellen im Gebaeude zu plazieren. Im Juli war ich ueberdurchschnittlich oft als Bibliothekar taetig, d. h. im Leseraum fuer die Betreuung der Leser eingesetzt. Dabei wird den Lesern beim Auffinden der gewuenschten Literatur geholfen und diese anschliessend ausgehoben.
Darueber hinaus beantwortete ich Anfragen und fuehrte die damit verbundenen Recherchen durch. Das Projekt der Archivierung von Internet-Homepages wurde weitergefuehrt. Allerdings ist es noch nicht gelungen, eine den Anforderungen entsprechende Software zu finden. Ebenso war ich weiterhin an der Computer-Einschulung fuer Volontaere beteiligt.

Allgemeines
Wie bereits im letzten Bericht erwaehnt, ist die Bibliothek von 2. August bis 1. September 1999 geschlossen. In dieser Zeit werden neue Regale installiert. Daher muessen die gesamten Bestaende kurzfristig ausgelagert werden.
Ebenso wird eine Inventur durchgefuehrt werden. Dies wird im Monat August zu veraenderten Aufgaben fuehren. Ab September wird der regulaere Betrieb wieder aufgenommen. Ferner stehen dann die Feiern zum 60jaehrigen Bestehen der Wiener Library in London an.
Ein neuer Zivildiener, Benedikt Kronberger, hat seinen Dienst am 2. August angetreten.

August 1999:

Mazower Collection
1993 ist das Buch Inside Hitlers Greece. The Experience of Occupation, 1941 44 von Mark Mazower erschienen. Der Autor ueberantwortete die gesamten Materialien (Kopien und Dokumente) der Wiener Library. Die umfangreiche Sammlung wurde kategorisiert und anschliessend eine Handliste erstellt, um den Lesern Zugang zu den Materialien zu ermoeglichen. Dabei ergab sich die Moeglichkeit, den neuen Gedenkdiener Kronberger in grundsaetzliche Bibliotheksarbeiten einzufuehren.
Umbauarbeiten
Wie im Bericht des Vormonates bereits erwaehnt, war die Wiener Library im August geschlossen, da neue Regale installiert wurden. Daher mussten die gesamten Bestaende umgelagert werden. Ich war an diesen Arbeiten ebenso beteiligt, wie an geringfuegigen Renovierungsarbeiten in den betroffenen Raeumlichkeiten.
Anglo-Austrian Society
Die Anglo-Austrian Society trat erstmals 1944 in Erscheinung. Eine ihrer Zielsetzungen war die Etablierung guter Beziehungen zwischen England und Oesterreich, um vor allem demokratische Bemuehungen in Oesterreich zu unterstuetzen. Abgesehen davon engagierte sich die Anglo-Austrian Society, Veranstaltungen oesterreichischer Kuenstler im Vereinigten Koenigreich zu organisieren. Leider ist es fuer die Anglo-Austrian Society nur mehr in sehr begrenztem Ausmass moeglich, weiterhin taetig zu bleiben. Daher hat man der Wiener Library angeboten, die Archive zu uebernehmen und ihren Lesern zugaenglich zu machen. Nach mehrmaligen Besuchen und Sichtungen der Bestaende, wurde das Archiv unter meiner Beteiligung im vergangenen Monat in der Wiener Library eingelagert.
Recherchen
Obwohl die Bibliothek geschlossen war, wurden einige Anfragen gestellt. Wie ueblich war ich mit den damit verbundenen Recherchen betraut und unterstuetzte damit Dr. Jo Reilly und Colin Clarke (Head Librarian).
Internet
Das Projekt zur Archvierung von Internet-Homepages wurde fortgesetzt. Ausserdem habe ich einige Recherchen im Internet durchgefuehrt.
Vom 16. bis 20. August hatte ich Urlaub.